— Was passiert hier überhaupt?.. Alina erstarrte im Türrahmen ihrer eigenen Wohnung und ließ den Koffergriff nicht los.
Die Uhr zeigte halb drei nachts.
Nach dem langen Flug, nach der Taxifahrt durch die verschlafene Stadt, hatte sie nur von einem einzigen Moment geträumt — sich auszuziehen, ins Bett zu fallen und die Augen zu schließen.
Doch stattdessen traf sie Musik.
Laut, mit einem schmerzhaft wummernden Bass, der den Kronleuchter im Flur vibrieren ließ. Aus der Küche kamen Gelächter, klirrende Gläser und ein betrunkener Streit über Fußball.
Sie machte einen Schritt hinein.
Auf ihrem hellen Lieblingssofa, ohne die Schuhe auszuziehen, schlief ein fremder Mann.
Am Tisch versank das edle Service ihrer Großmutter in Zigarettenstummeln, Flaschen und eingetrockneten Tellern.
Dann kam Denis aus der Küche. In Jogginghose, mit einem Glas in der Hand.
Nicht einmal überrascht.
— Fang nicht an — sagte er gleichgültig. — Die Jungs wohnen nur vorübergehend hier. Renovierung.
Alina ließ den Koffer los und sah sich um.
Jemand aus der Küche winkte ihr zu, als wäre sie die Besucherin.
— Welche Jungs, Denis? Welche Renovierung?
— Artjom mit Lena. Und ihr Sohn Kirill. Ich hab dir doch gesagt, dass sie eine Wohnung im Neubau haben.
— Du hast gesagt, sie haben sie gekauft. Nicht, dass sie hier wohnen.

— So etwas bespricht man nicht am Telefon — zuckte er die Schultern. — Du hast dich erholt, ich wollte dich nicht belasten.
Diese Wohnung hatte Alina gekauft, lange bevor Denis überhaupt in ihr Leben getreten war. Sieben Jahre Hypothek, Nebenjobs, Renovierungen — jeder Quadratmeter war ihr vertraut.
Doch mit der Zeit wurde aus „mein“ ein „unser“…
Und „unser“ wurde zu allem.
Freunde, die „nur kurz vorbeischauen“ und bis morgens bleiben.
Verwandte ohne Unterkunft.
Besucher, die niemand eingeladen hatte.
Alina hielt aus. Kochte Kaffee für acht Personen, wusch Berge von Geschirr.
„Du bist zu korrekt“, sagte Denis immer. „Ein Zuhause muss offen sein.“ Vor dem Urlaub war sie zum ersten Mal seit drei Jahren allein verreist.
Und nun stand sie hier — in ihrer eigenen Wohnung — und hörte eine fremde Frauenstimme aus der Küche:
— Denis, bring den Korkenzieher!
„Bring den“ — als wäre er der Hausherr.
Alina fragte leise:
— Wie lange leben sie schon hier?
— Drei Wochen. Vielleicht etwas länger.
Sie ging langsam durch die Wohnung.
Alles war verändert, fremd.
Flecken auf dem Sofa.
Fremde Sachen im Kühlschrank. Im Badezimmer hing fremde Wäsche.
Im Schlafzimmer schlief ein fremder Teenager in ihrem Bett.
Sie kehrte zurück ins Wohnzimmer.
— Ich will, dass alle gehen. Jetzt — sagte sie ruhig.
Die Musik verstummte.
— Bist du ernst? — Denis trat näher. — Es ist Nacht!
— Es ist mein Apartment.
— Wir sind Mann und Frau! Also gehört es uns gemeinsam! Alina holte eine Mappe aus dem Schrank.
Kaufvertrag.
Notarunterlagen.
Datum: zwei Jahre vor der Ehe.
— Dieses Apartment gehört mir. Vor der Ehe gekauft. Mit meinem Geld.
Stille.
Dann griff sie zum Telefon und rief ein Taxi.
Einer nach dem anderen begannen die Gäste zu gehen.
Denis blieb zurück.
— Du schmeißt mich raus? Deinen Mann?
— Ich halte dich nicht. Am nächsten Tag nahm er seine Sachen und ging.
„Vorübergehend“, sagte er.
Doch vorübergehend wurde endgültig.
Monate später saß Alina in ihrer wieder ruhigen Wohnung.
Alles war sauber, still, neu.
Keine fremden Stimmen, kein Chaos.
Nur sie selbst.
Und zum ersten Mal seit Jahren fühlte sich diese Stille nicht leer an.
Sondern frei.