„Wir hatten uns doch geeinigt: die Wohnung für mich, das Kind für dich“, erinnerte der Ex-Partner.

by zuzustory1303
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— Anna, warum sitzt du so erstarrt da? Der Tee wird kalt, — Igor schob die Tasse zu ihr, als könnte das irgendetwas entschärfen.

Sie setzte sich ruhig ihm gegenüber. Auf dem Tisch lag seine Lederakte, die er so sorgfältig abgelegt hatte, als wäre sie der wichtigste Gast an diesem Abend.

Anna lächelte nur mit einem Mundwinkel.

— Du bist wie ein Zauberer, — sagte sie.

— Gleich ziehst du ein Kaninchen aus dem Ärmel und erklärst, dass alles zum „gemeinsamen Wohl“ ist.

— Ich bin ernst gekommen, ohne Witze, — er tippte auf die Mappe.

— Lass uns wie Erwachsene handeln. Ohne Drama, ohne Tränen. Wir einigen uns und gehen auseinander wie normale Menschen.

— Ich bin völlig für „wie Erwachsene“, — nickte sie.

— Ich habe sogar Erwachsenen-Kekse gekauft. Keine aus der Kinderabteilung.

— Hör zu, machen wir es so, — begann er sachlich.

— Die Wohnung bleibt mir.

Und Tjoma bleibt ohnehin praktisch bei dir, er ist an dich gewöhnt.

Logisch.

Er bleibt bei dir.  Anna trank langsam ihren Tee.

Tjoma, der siebenjährige Sohn von Igor aus erster Ehe, zeichnete im Nebenzimmer Raumschiffe. Er nannte sie bei ihrem Namen, umarmte sie aber wie den wichtigsten Menschen in seinem Leben.

— Du machst mir also ein Geschäft, — stellte sie ruhig fest.

— Dir die Wohnung, mir das Kind.

Interessante Rechnung.

— Eine normale Rechnung, — murmelte er.

— Ich bin kein Unmensch, ich denke an den Jungen.

— Wie fürsorglich, — sagte sie leise.

— Vater des Jahres.

— Hör auf zu sticheln, — er runzelte die Stirn.

— Ich bin fair gekommen.

— Ich erinnere dich nur, — sagte Anna ruhig.

— Diese Wohnung hat mir meine Mutter geschenkt. Mit notariellem Vertrag. Vor unserer Ehe.

— Ich erinnere mich an dein Papier, — winkte er ab.

— Aber wir haben hier zusammen gelebt.

Ich habe renoviert. Fliesen gelegt.

— Die Fliesen sind wunderschön, — nickte sie.

— Aber Fliesen sind Fliesen. Eigentum ist Eigentum.

— Du redest immer so klug daher, — knirschte er.

— Ich rede über Fakten, — lächelte sie.

— Du verwechselst Wünsche mit Realität.

— Tjoma, weißt du überhaupt, dass dein Vater dich gegen eine Wohnung eintauschen will? — fragte sie leise.

Er schwieg.

Und dieses Schweigen war die Antwort. Später im Café sagte er:

— Ich habe mich informiert. Ich kann um die Wohnung kämpfen.

— Natürlich kannst du kämpfen, — sagte sie ruhig.

— Gegen Wind, Schatten und Physik auch.

Das Ergebnis ist meistens dasselbe: blaue Flecken.

Er wurde wütend.

— Du unterschätzt mich!

— Ich schätze dich genau richtig ein.

Ohne Aufwertung, ohne Abwertung.

Wie Ware im Regal.  Im Park spielte Tjoma auf der Schaukel.

— Siehst du, wie glücklich er ist? — sagte Anna.

— Ihn interessiert nicht, wem was gehört. Er will nur, dass ihn jemand anschubst.

— Dann schieb ihn an, — murmelte Igor.

— Du bist doch die Gute hier.

— Ich habe ihn schon ein Jahr lang angeschoben, — sagte sie.

— Und du?

Später im Atelier zeigte Anna ihm ihre Miniaturwelten.

— Und dafür zahlen Leute? — spottete er.

— Für kleine Häuser?

— Für Geschichten, — korrigierte sie.

— Für das Gefühl, dass alles an seinem Platz ist.

Am nächsten Tag kam es zur Entscheidung.

Anna legte ihm Dokumente vor.

— Das ist die Schenkungsurkunde meiner Mutter. Die Wohnung gehört mir.

Und das hier — ist die Regelung für Tjoma.

Er bleibt bei seinem Vater.

Biologisch.

Juristisch.

— Was?! — er wurde blass.

— Du hast ihn doch immer versorgt!

— Genau, — sagte sie ruhig.

— Deshalb ist es so schwer.

Aber du wolltest diese Rechnung.

Ich habe sie nur korrekt berechnet.

— Das geht so nicht! — rief er.

— Doch, — sagte sie.

— Und jetzt geh. Dein Sohn wartet. Am Abend stand er mit Tjoma an der Hand vor dem Haus.

Unsicher, überfordert.

Der Junge hielt seine Hand fest.

Anna sagte leise:

— Halt ihn gut fest. Lass ihn nicht los.

Das ist alles, was du wirklich hast.  Als sie die Tür schloss, blieb sie in ihrer Wohnung stehen.

In ihren Wänden.

In ihrer Ordnung.

Und zum ersten Mal war alles genau dort, wo es hingehörte.

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