Ich sah meinen Mann fassungslos an.
— Was hast du gerade gesagt?
Igor verschränkte die Arme und wich meinem Blick nicht aus.
— Du hast mich verstanden. Wir verkaufen die Wohnung.
Ich blickte mich langsam im Wohnzimmer um.
Diese Wohnung.
Meine Wohnung.
Die Wohnung, für die ich jahrelang gearbeitet hatte, bevor ich Igor überhaupt kennengelernt hatte.
Ich hatte die Anzahlung selbst geleistet. Ich hatte die ersten Jahre der Hypothek allein getragen. Ich hatte jeden Vertrag unterschrieben.
Und jetzt stand mein eigener Ehemann vor mir und sprach darüber, sie zu verkaufen, als wäre sie sein Eigentum.
— Und wer genau hat beschlossen, dass wir sie verkaufen? — fragte ich ruhig.
Igor verdrehte die Augen.
— Wir haben darüber gesprochen.
— Nein. Du hast darüber gesprochen. Ich habe dir gesagt, dass ich nicht verkaufen will.
— Weil du dich an diese Wohnung klammerst!
— Weil sie mir gehört.
Bei diesen Worten wurde es plötzlich still.
Igor lachte kurz.
— Wir sind verheiratet. Was dir gehört, betrifft auch mich.
Ich sah ihn lange an.
— Wirklich?
— Natürlich.
Ich ging zum Schrank und holte einen Ordner heraus.
— Dann schauen wir uns doch einmal gemeinsam an, wem diese Wohnung tatsächlich gehört.
Igor runzelte die Stirn.
Ich legte die Unterlagen auf den Tisch.
Kaufvertrag.
Grundbucheintrag.
Darlehensunterlagen.
Und schließlich die Zahlungsnachweise.
— Hier steht mein Name. Und hier. Und hier ebenfalls.
Igor blätterte durch die Dokumente.
Sein Gesicht veränderte sich.
— Das bedeutet doch gar nichts.
— Doch. Es bedeutet, dass du nicht allein entscheiden kannst, ob diese Wohnung verkauft wird.
Er schwieg.
Dann sagte er:
— Meine Mutter könnte bei uns einziehen, wenn wir verkaufen. Wir könnten das Geld sinnvoller nutzen.
Da verstand ich plötzlich, worum es wirklich ging.
Es ging nie um die Hypothek.
Es ging darum, dass Igor bereits Pläne mit meiner Wohnung gemacht hatte.
Pläne, in denen ich offenbar keine Rolle spielte.
— Du hast also vor, meine Wohnung zu verkaufen, damit deine Mutter bei uns wohnen kann?
— Stell es nicht so dramatisch dar.
— Wie soll ich es sonst darstellen?
Igor wurde laut.
— Wir sind eine Familie!
Ich antwortete ganz ruhig:
— Gerade deshalb solltest du mich nicht wie eine Fremde behandeln, wenn es um mein Zuhause geht.
Er schwieg.
Am nächsten Morgen rief ich bei der Bank und ließ mir sämtliche Unterlagen zu meinem Kredit erklären. Danach vereinbarte ich einen Termin mit einem Anwalt.
Zum ersten Mal seit Tagen fühlte ich mich wieder ruhig.
Denn ich hatte etwas verstanden:
Ich musste mich nicht dafür rechtfertigen, mein eigenes Zuhause behalten zu wollen.
Eine Woche später kam Igor mit seiner Mutter zurück.
Offenbar hatten sie bereits angefangen, Besichtigungen zu planen.
Seine Mutter lächelte, als wäre alles längst entschieden.
— Wir haben schon jemanden, der sich die Wohnung ansehen möchte.
Ich sah sie an.
— Das glaube ich nicht.
— Warum nicht?

Ich nahm den Ordner vom Tisch.
— Weil die Wohnung nicht zum Verkauf steht.
Igor wurde blass.
— Was soll das heißen?
— Genau das, was ich gesagt habe.
Ich legte ihm eine Kopie des Grundbuchauszugs hin.
— Du kannst meine Wohnung nicht verkaufen, Igor. Nicht ohne meine Zustimmung.
Seine Mutter sah zwischen uns hin und her.
— Aber ihr seid verheiratet!
Ich lächelte bitter.
— Verheiratet zu sein bedeutet, gemeinsam zu leben. Es bedeutet nicht, dass einer von uns das Recht bekommt, über das Eigentum des anderen zu bestimmen.
Igor sagte kein Wort.
Zum ersten Mal war er derjenige, der keine Antwort hatte.
Und ich wusste, dass sich von diesem Tag an etwas Grundlegendes ändern würde.
Nicht nur bei der Wohnung.
Sondern auch in unserer Ehe.