— Die Wohnung gehört MIR. Das Auto gehört MIR. Und sogar der Goldschmuck, den du „deiner Mutter“ geschenkt hast, wurde von meinem Geld gekauft! Also sag mir: Wer schuldet hier eigentlich wem etwas?…

by zuzustory1303
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Daniil hatte sich daran gewöhnt, dass Alina alle Rechnungen bezahlte.

Alles begann ganz unauffällig, noch zu der Zeit, als sie nur ein Paar waren. Alina arbeitete als leitende Managerin in einem Bauunternehmen und verdiente 65.000 Rubel im Monat. Daniil hingegen stand noch am Anfang seiner Karriere als Mechaniker und sein Gehalt betrug nicht mehr als 30.000 Rubel.

Es war für beide ganz selbstverständlich, dass Alina im Café oder im Kino bezahlte.

Auch die Kosten für gemeinsame Reisen übernahm meistens sie.

Daniil fand das völlig normal. Manchmal war er sogar stolz darauf — schließlich konnte nicht jeder Mann von sich behaupten, eine so großzügige Frau an seiner Seite zu haben.

Erst sechs Monate nach ihrer Hochzeit begann Alina zu spüren, dass etwas nicht stimmte.

Daniil schlug vor, seine Mutter in der Nachbarstadt zu besuchen.

Alina stimmte zu. Doch als sie darüber sprachen, wie sie dorthin fahren sollten, winkte ihr Mann beiläufig ab.

— Wir nehmen dein Auto.

Meins ist alt und unbequem für so eine Fahrt.

Alina war überrascht.

Das Auto gehörte tatsächlich ihr. Sie hatten es zwar gemeinsam gekauft, aber den größten Teil des Geldes hatte sie bezahlt.

Daniil hatte damals erklärt, dass es wegen seiner schlechten Kreditgeschichte besser wäre, wenn das Auto auf ihren Namen zugelassen würde.

Alina hatte dem keine große Bedeutung beigemessen.

— Gut — sagte sie. — Aber den Sprit bezahlst du.

Daniil nickte. Doch als sie an der Tankstelle anhielten, zog er nur 2.000 Rubel heraus.

— Mehr habe ich gerade nicht. Mein Gehalt habe ich noch nicht bekommen.

Alina sagte nichts und zahlte den Rest.

Am nächsten Tag bekam Daniil sein Gehalt. Aber es kam ihm nicht einmal in den Sinn, ihr das Geld zurückzugeben.

Und Alina erinnerte ihn auch nicht daran. Sie wollte ihre Beziehung nicht wegen einer Kleinigkeit belasten.

Sie verbrachten drei Tage bei Daniils Mutter.

Vera Nikolajewna begrüßte ihre Schwiegertochter herzlich. Doch schon bald wurde klar, dass sie daran gewöhnt war, dass ihr Sohn nie mit leeren Händen kam.

Daniil überreichte ihr feierlich eine Schachtel mit einer Goldkette.

— Die ist für dich, Mama — sagte er und umarmte sie. — Von Herzen.

Die Frau war gerührt und lobte ihren Sohn lange für seine Aufmerksamkeit und Großzügigkeit.

Alina stand nur daneben und schwieg.

Die Kette hatten sie drei Tage zuvor gemeinsam im Schmuckgeschäft ausgesucht.

Daniil hatte sie ausgewählt.

Aber Alina hatte bezahlt.

Wie immer.

23.000 Rubel.

— Danke, mein Sohn — wiederholte Vera Nikolajewna. — Was bist du doch für ein fürsorglicher Mann.

Alina lächelte nur.

Später, als sie allein waren, versuchte sie mit ihrem Mann darüber zu sprechen.

— Daniil, findest du es nicht seltsam, dass wir deine Geschenke mit meinem Geld kaufen?

Er zuckte mit den Schultern.

— Wir sind doch eine Familie.

Was dir gehört, gehört auch mir.

Ist es nicht so?

— Ja, aber…

— Kein „aber“! — unterbrach er sie. — Ich hindere dich doch auch nicht daran, für deine Eltern Geld auszugeben.

Alina hätte beinahe gesagt, dass ihre Eltern seit zehn Jahren tot waren. Aber sie schwieg.  Daniil verstand einfach nicht, wo das Problem lag.

Nach ihrer Rückkehr ging alles weiter wie zuvor.

Alina arbeitete, verdiente Geld und bezahlte die Rechnungen.

Daniil arbeitete ebenfalls, aber sein Gehalt verschwand immer irgendwo.

Wenn Alina nach dem Familienbudget fragte, wich er aus.

— Geld ist nur Geld.

Wichtig ist doch, dass wir gut leben.

Und tatsächlich lebten sie gut.

Nur war das ausschließlich Alinas Verdienst.

Miete, Lebensmittel, Haushaltsartikel und Kleidung — alles kaufte sie.

Daniil brachte manchmal Essen mit, aber er kaufte immer nur das Billigste: Würstchen, Pelmeni und Brot.

Der Unterschied wurde am Ende ihres ersten gemeinsamen Jahres unübersehbar.

Alina rechnete die Ausgaben zusammen und war schockiert.

Von ihrem Gehalt gingen jeden Monat 45.000 Rubel für die Familie drauf.

Daniil steuerte höchstens 5.000 Rubel bei.

Eines Abends setzte sie sich mit ihm zusammen.

— Daniil, wir müssen über das Geld sprechen.

— Über welches Geld? — fragte er, während er weiter den Fernseher ansah.

— Über unser gemeinsames Geld.

Ich habe das Gefühl, dass die Lasten nicht gerecht verteilt sind.

Daniil sah sie verständnislos an.

— Was bedeutet „nicht gerecht verteilt“?

Ich arbeite doch auch.

— Du arbeitest, aber du gibst fast nichts für die Familie aus.

— Du weißt, dass ich weniger verdiene.

Ich tue, was ich kann.

— Wirklich? — fragte Alina. — Wohin geht dann dein Gehalt?

— Ich gebe es aus.

Für den Weg zur Arbeit, Mittagessen, Werkzeuge, Kleinigkeiten.

— Welche Werkzeuge?

Hast du nicht gesagt, dass bei deiner Arbeit alles vorhanden ist?

Daniil wurde gereizt.

— Was soll das? Muss ich dir jetzt über jeden einzelnen Rubel Rechenschaft ablegen?

Alina schwieg.

Sie wollte nicht die Kontrolle über ihren Mann übernehmen.

Aber die Situation wurde immer schlimmer.

Daniil benutzte ihr Auto immer häufiger.

Zuerst fragte er noch, später nahm er einfach die Schlüssel. Einmal konnte Alina nicht zur Arbeit fahren, weil ihr Mann das Auto zum Fußballspielen mit Freunden genommen hatte.

— Daniil, ich brauche das Auto morgen früh.

Ich habe ein wichtiges Treffen.

— Gut — sagte er. — Wann soll ich zurück sein?

— Was meinst du mit „wann“?

Du fährst nirgendwohin.

— Wie bitte?

Ich muss arbeiten.

— Fahr mit dem Bus, wie früher.

— Aber wir haben doch ein Auto.

— Ich habe ein Auto — korrigierte Alina.

Daniil sah sie an, als hätte sie etwas völlig Unverständliches gesagt.

— Wir sind eine Familie.

Das Auto gehört uns beiden.

— Uns beiden? — fragte Alina.

Ich habe es gekauft.

Ich bezahle die Versicherung.

Ich bezahle die Reparaturen.

Und trotzdem soll es gemeinsam sein?

Daniil winkte nur ab.

— Fang nicht schon wieder damit an.

Mit der Zeit hatte Alina immer stärker das Gefühl, dass ihr Mann sie nicht als Partnerin sah, sondern als Geldquelle.

Er interessierte sich nicht für ihre Arbeit.

Er fragte nicht, wie es ihr ging.

Er bot niemals seine Hilfe an.

Aber regelmäßig fiel ihm etwas ein, das er kaufen wollte.

Und immer ging er selbstverständlich davon aus, dass Alina bezahlt.

Der endgültige Wendepunkt kam beim Geburtstagsgeschenk für Vera Nikolajewna.

Daniil wollte seiner Mutter goldene Ohrringe schenken.

Für 31.000 Rubel.

— Sie sind wunderschön — sagte er begeistert.

Mama wird sich bestimmt freuen.

— Sie sind teuer — bemerkte Alina.

— Aber von guter Qualität.

Sie hat nicht jeden Tag Geburtstag.

— Hast du das Geld dafür?

— Ja — nickte Daniil. Also… ich bekomme nächste Woche mein Gehalt.

— Aber das Geschenk muss morgen überreicht werden.

— Und?

Du bezahlst es jetzt.

Ich gebe es dir später zurück.

Alina zog schweigend ihre Bankkarte heraus.

Sie wusste, dass Daniil ihr das Geld wahrscheinlich nie zurückgeben würde.

So wie zuvor auch nicht.

Am Geburtstag überreichte Daniil seiner Mutter stolz das Geschenk.

Vera Nikolajewna war zu Tränen gerührt.

— Was habe ich doch für einen wunderbaren Sohn — wiederholte sie.

Alina saß nur am Tisch.

31.000 Rubel.

Ihr Geld.

Ihre Arbeit.

Aber den Dank bekam Daniil.

Zu Hause versuchte sie erneut mit ihm zu reden.

— Daniil, es gefällt mir nicht, dass du mit meinem Geld einkaufst und trotzdem die Anerkennung bekommst.

— Welche Anerkennung?

— Deine Mutter glaubt, dass du die Geschenke gekauft hast.

— Aber ich habe sie ausgesucht und überreicht.

— Aber ich habe bezahlt.

— Und?

Wir sind eine Familie.

Das Geld ist gemeinsam.

Alina sah ihn lange an.

— Gemeinsam?

Warum verdiene dann nur ich dieses gemeinsame Geld?

Daniil hatte keine Antwort.

Am nächsten Morgen wusste Alina:

Es musste ein Ende haben.

Als Daniil abends nach Hause kam, setzte sie ihn zum Gespräch hin.

— Zwei Jahre lang habe ich dich unterstützt.

Ich bezahle die Wohnung, das Essen, den Sprit und sogar deine Geschenke.

— Aber ich arbeite doch!

— Du arbeitest, aber nicht für unsere Familie.

Daniil sah sie wütend an.

— Wir sind eine Familie.

Wer schuldet wem in einer Familie etwas?

Alina lächelte bitter.

— Genau.

Wer schuldet wem etwas?  Ich bezahle alles, und du genießt nur die Ergebnisse.

— Ich bin kein Schmarotzer! Ich lebe einfach nur.

In diesem Moment verstand Alina endgültig:

Das Problem war nicht, dass Daniil weniger verdiente.

Das Problem war, dass er es für selbstverständlich hielt, vom Geld eines anderen zu leben.

— Du wohnst in meiner Wohnung.

Du benutzt mein Auto.

Und sogar das Gold, das du deiner Mutter geschenkt hast, wurde von meinem Geld gekauft!

— Wir sind verheiratet…

— Ja, wir sind verheiratet.

Aber das bedeutet nicht, dass einer alles gibt und der andere alles nimmt.

Am Ende des Gesprächs traf Alina ihre Entscheidung.

— Es ist vorbei.

Ich will keinen undankbaren Mann mehr finanzieren.

Daniil sah sie fassungslos an.

— Du willst dich scheiden lassen?

— Ja.

Am nächsten Tag ließ Alina die Schlösser austauschen.  Sie packte Daniils Sachen in Kartons und stellte sie vor die Tür.

Am Abend klopfte er wütend.

— Alina! Mach die Tür auf!

— Hol deine Sachen ab — antwortete sie ruhig.

— Wohin soll ich gehen?

Das ist mein Zuhause!

Alina sagte nur:

— Dein Zuhause ist jetzt dort, wo du dich selbst versorgst.

Eine halbe Stunde später ging Daniil.

Und Alina fühlte sich nach langer Zeit zum ersten Mal wieder frei.  Niemand würde mehr ihr Geld ausgeben.

Niemand würde mehr ihr Auto benutzen.

Niemand würde mehr die Früchte ihrer Arbeit ernten.

Alina hatte endlich ihr eigenes Leben zurück.

Und sie wusste, dass dies die richtige Entscheidung gewesen war.

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