Was geht mich das an?“ – Die harte Lektion der poetischen Gerechtigkeit
— „Ich habe alles mitgenommen, was von meinem Geld gekauft wurde!“
Diese spöttische, distanzierte Stimme am Telefon ließ Irina mitten im völlig leeren Flur erstarren. Sie ließ sich langsam auf den einzigen Stuhl sinken, der noch an der Tür stand. Ihre Beine zitterten, und in ihrer Brust stieg eine unerträgliche Hitze der Panik auf.
Sie war gerade von der Arbeit gekommen und wollte eigentlich die Zwillinge vom Kindergarten abholen. Doch als sie den Schlüssel im Schloss umdrehte, fand sie sich in einem fremden, geplünderten Raum wieder.
— „Hast du uns ausgeraubt?“, flüsterte Irina. „Wo ist alles hin? Roma, wo sind unsere Sachen?“
— „Ich habe dich verlassen, meine Liebe. Hast du das bis jetzt immer noch nicht begriffen?“
Roman lachte verächtlich.
— „Ich bin bei einer anderen. Ich habe es satt, Ira. Du genügst mir weder als Frau noch als Hausfrau. Ich will ein normales Leben, nicht diese Langeweile.“
— „Warum hast du nie etwas gesagt? Zehn Jahre Ehe, Roma… Gestern haben wir noch zusammen gegessen, Pläne für das Wochenende gemacht!“
— „Tja, jetzt hab ich’s dir gesagt“, lachte er und genoss seine Macht. „Sei froh, dass ich dir die Wände gelassen habe.“
— „Wie soll ich mit den Kindern leben? Die Wohnung ist leer! Du hast sogar ihre Sachen mitgenommen, den Kühlschrank, den Fernseher…“
— „Was geht mich das an?“, grinste Roman. „Sieh zu, wie du klarkommst, du bist doch so ‚stark und klug‘. Das war’s, adieu, such mich nicht und ruf nicht mehr an!“ Irina hörte nur noch das besetztzeichen. Der Mann, den sie zehn Jahre lang unterstützt hatte, hatte ihre gemeinsame Geschichte wie mit einem schmutzigen Schwamm weggewischt. Die Familie, die wie eine Festung gewirkt hatte, war an einem einzigen Arbeitstag zerfallen.

Die Schuldenfalle
Das Schlimmste war, dass Irina die Last einer riesigen Hypothek für diese Wohnung trug. Damals hatte Roman darauf bestanden, dass der Kredit auf ihren Namen läuft – mit der Ausrede, er habe Probleme mit seinen Einkommensnachweisen. Irina, blind vor Vertrauen, hatte zugestimmt. Jetzt verstand sie, wie kalkuliert er seine Flucht vorbereitet hatte.
Die ersten Wochen waren ein lebendiger Albtraum. Die Einzige, die ihr half, war ihre Mutter, Elena Petrowna. Sie kam vom Land mit Vorräten, einem alten Kühlschrank und moralischer Unterstützung:
— „Schon gut, Irotchka, wir schaffen das. Hauptsache, die Kinder sind bei dir. Dieser Nichtsnutz wird seine Strafe bekommen. Das Leben ist gerecht und rückt alles an seinen Platz.“ Irina versuchte, Hilfe bei ihren Schwiegereltern zu suchen, doch diese empfingen sie mit eisiger Kälte.
— „Wenn Roma nicht mehr bei dir lebt, helfen wir dir auch nicht!“, erklärte die Schwiegermutter Olga Wassiljewna. „Mein Sohn hat ein Recht auf Glück. Wenn er gegangen ist, bist du selbst schuld – du konntest deinen Mann eben nicht halten!“
Die Wiedergeburt
Irina erfuhr bald, dass Roman eine junge Frau namens Katja geheiratet hatte und ihr neues „Nest“ mit den Möbeln und Geräten eingerichtet hatte, die er feige aus seinem alten Zuhause gestohlen hatte. In diesem Moment entschied Irina: Sie würde keine einzige Träne mehr vergießen.
Sie nahm zwei Jobs an, arbeitete nachts und sparte jeden Cent. Drei Jahre dauerte es, bis sie sich aus dem finanziellen und emotionalen Abgrund befreit hatte.
Nach und nach füllte sich die Wohnung mit neuen Möbeln, die Kinder besuchten eine gute Schule, und Irina veränderte sich: Ihr Rücken wurde gerade, und in ihren Augen leuchtete ein stählernes Selbstbewusstsein.
Der unerwartete Anruf
An einem Abend im Mai klingelte das Telefon. Eine unbekannte Nummer.
— „Hallo, Schwiegertochter!“, erklang die angespannte Stimme von Olga Wassiljewna.
— „Guten Abend. Aber ich bin schon lange nicht mehr Ihre Schwiegertochter. Was wollen Sie?“
— „Wie geht es dir? Wie sind die Jungs?“, fragte die Frau mit falscher Fürsorge.
— „Alles bestens, danke. Sagen Sie mir direkt, warum Sie anrufen.“
— „Irotchka… ein Unglück ist geschehen. Mein Romotschka hatte einen schrecklichen Unfall. Er ist Invalide. Er kann nicht mehr laufen, er kann kaum den Löffel halten. Er braucht ständige Pflege…“
— „Das tut mir leid“, antwortete Irina mit der Gleichgültigkeit von Granit. „Aber wir haben keinerlei Verpflichtungen mehr gegeneinander.“
— „Hör mir zu!“, rief die Schwiegermutter hysterisch. „Nimm Roma zu dir in die Wohnung und pflege ihn! Du bist jung, du hast Platz… ich schaffe das nicht mehr, mein Blutdruck spielt verrückt.“ Irina fing an zu lachen. Es war ein bitteres Lachen angesichts einer so kolossalen Unverschämtheit.
— „Warum sollte ausgerechnet ich ihn aufnehmen? Er hat eine gesetzliche junge Ehefrau, Katja. Sie soll ihren geliebten Mann pflegen ‚in guten wie in schlechten Zeiten‘.“
— „Katja hat ihn verlassen!“, spuckte die Schwiegermutter voller Gift. „Sobald sie begriff, dass Roma nie wieder laufen wird und kein Geld mehr bringt, hat sie alles zusammengepackt und ist mit einem neuen Liebhaber nach Sotschi abgehauen!“
— „Tja, dann haben Sie mein aufrichtiges Beileid“, entgegnete Irina.
Die Gerechtigkeit hatte Roman eingeholt: Er wurde genau so verraten, wie er einst seine eigene Familie verraten hatte.
— „Nimm Roma auf, sage ich dir! Du hast eine Pflicht ihm gegenüber, ihr habt gemeinsame Söhne! Was für ein Vorbild bist du für sie? Wie willst du ihnen später in die Augen schauen?“, schrie Olga Wassiljewna und versuchte ihre letzte Karte: Manipulation durch Schuldgefühle.
Irina antwortete ruhig, und jedes Wort war wie ein Urteil:
— „Als Ihr Sohn vor drei Jahren alles aus unserer Wohnung schleppte und seine eigenen Kinder auf dem nackten Boden schlafen ließ, hat er nicht an sie gedacht.
Er hat sich nicht gefragt, womit ich sie füttere oder wie ich die Hypothek bezahle. Warum also sollte ich jetzt an ihn denken? Wissen Sie noch, was Ihr Roma mir damals sagte? ‚Was geht mich das an?‘. Genau das ist heute meine Antwort. Adieu.“
Irina erfuhr später, dass die Schwiegermutter Roman zu sich genommen hatte, aber die „Mutterliebe“ hielt nicht lange an. Einen gelähmten, verbitterten Mann zu pflegen, erwies sich als höllische Arbeit. Nach einem Monat gab Olga Wassiljewna ihren eigenen Sohn in ein staatliches Pflegeheim ab und wusch ihre Hände in Unschuld.
Irina war das Gerede der Nachbarn völlig egal. Sie hatte die wichtigste Lektion gelernt: Auf jede Tat folgt eine Vergeltung. Roman hatte sich einst entschieden, ein Zuhause für einen flüchtigen Komfort zu zerstören, und nun erntete er die Früchte seines eigenen Egoismus. Irina hingegen blickte in die Zukunft, wohlwissend, dass die Gerechtigkeit zwar manchmal spät kommt, aber niemals die Adresse vergisst.