„Ich habe meiner Tochter alles übertragen, und du gehst Blumenbeete pflegen”, sagte meine Schwiegermutter. Ich packte meine Sachen und ging.

by zuzustory1303
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„Ich habe die Datscha auf meine Tochter überschrieben, und du gehst jetzt und kümmerst dich um die Blumenbeete“, sagte meine Schwiegermutter, ohne den Blick von ihrer Teetasse zu heben. Als wäre es eine bloße Bitte und nicht Lenas ganzes Leben. Ohne ein Wort zu sagen, packte Lena ihre Sachen und ging.

Die Luft auf dem Grundstück war schwer, erfüllt von Gerüchen, die nicht beruhigten, sondern reizten.

Auf den frisch gepflegten Tomatenbeeten, genau dort, wo Lena am Vortag noch sorgfältig Setzlinge gepflanzt hatte, lag ein aufblasbarer rosa Flamingo.

Seine grelle Farbe wirkte absurd vor dem Hintergrund der dunklen, feuchten Erde. Ein Stück weiter hatte ein umgestoßener Grill graue Kohlereste über den ordentlich vorbereiteten Boden verstreut.

Lena stellte den Plastikeimer auf den schmalen Weg. Der Griff hatte sich schmerzhaft in ihre Handfläche gedrückt, doch sie bewegte sich nicht sofort. Sie blieb stehen und sah nur zu.

Aus dem offenen Fenster der Datscha drang laute Musik. Bässe mischten sich mit Frauenlachen und dem Klirren von Gläsern. In der Luft lag der Geruch von gebratenem Fleisch, Grillrauch und billigen, kirscharomatisierten Zigaretten.

Alles wirkte schwer, erstickend, wie ein chaotischer Sommertag. Auf der Veranda standen Schuhe, die Lena noch nie gesehen hatte: Damensandalen mit Plateausohle und abgenutzte Herrensneaker, voller Staub und Erde. Als wollte jemand zeigen, dass dieser Ort ihr nicht mehr gehörte.

Die Tür flog plötzlich auf.

Dasha trat heraus.

In ihren Händen hielt sie Lenas Lieblingstasse — weiß, mit einer gelben Sonnenblume, ein Geschenk ihrer Mutter. Dasha nahm gelassen einen Schluck Bier daraus, als wäre sie die Besitzerin, als gehörte ihr dieses Haus, dieses Leben.

„Ah, Lena ist da“, sagte sie mit einem leichten Lächeln, sich lässig im Türrahmen abstützend. „Wir haben gerade die Saison eröffnet.“

Lena ging langsam zur Veranda. Jeder Schritt war ruhig, doch in ihr wuchs die Spannung. Ihr Blick fiel sofort auf die Beete. Die Tomatenpflanzen waren niedergetrampelt, am Boden zerdrückt, als wäre jemand ohne Rücksicht darübergegangen. Die grünen Blätter vom Morgen lagen nun zerrissen und schmutzig da.

„Was ist hier los?“ — ihre Stimme war kalt, trocken.

Dasha zuckte mit den Schultern.

„Wir entspannen uns. Das ist mein Haus, ich habe jedes Recht.“ Lena lachte kurz, ohne Freude. Kein Lachen der Belustigung, sondern der Absurdität.

„Dein?“ — wiederholte sie leise. „Die Datscha gehört Antonina Petrowna. Ich arbeite hier jedes Wochenende. Ich habe alles gepflanzt, alles gepflegt…“

Dasha hob eine Augenbraue.

„Nicht mehr.“

Ein einziges Wort. Scharf. Endgültig.

Dann drehte sie sich um und ging ins Haus zurück, die Tür blieb einen Spalt offen. Von drinnen drangen weiterhin Lachen, Musik und Gläserklirren, als wäre nichts geschehen. Als hätte Lenas Arbeit keinerlei Bedeutung.

Lena blieb draußen. Einige Sekunden bewegte sie sich nicht. Sie sah die zerstörten Beete, den umgestoßenen Grill, die fremden Schuhe auf der Veranda. In ihr wuchs etwas Kaltes. Keine Wut. Keine Tränen. Eine Entscheidung.

Sie hob den Eimer auf, stellte ihn zur Seite und trat einen Schritt zurück, als würde sie nicht nur den Garten verlassen, sondern ein Leben, das ihr nicht mehr gehörte.  Sie kehrte nicht zurück, als die Musik wieder lauter wurde.

Diesmal wusste sie es sicher: Das war nicht mehr ihr Zuhause.

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