„Komm rein, Mama. Ich werde mich gleich nur zum Schein bei ihr entschuldigen, und schon wird sie wieder zum Tischdecken rennen“, spottete mein Mann.

by zuzustory1303
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„Hast du auf diesem Mutterschutz etwa das Hören verlernt? Ich rede mit dir! Nimm das vom Herd!“ Ilja stand mitten in der Küche, zog seinen Gürtel fest und sah seine Frau an, als wäre sie Luft.

Mit einer Kopfbewegung deutete er auf den kleinen Topf, in dem leise das Gemüse für ihren acht Monate alten Sohn Matwej köchelte.

Natalia zuckte zusammen und machte instinktiv einen Schritt zum Herd.

„Ilja, das ist das Püree für Matwej. Er bekommt gerade Zähne, will kaum etwas essen. Wenn ich das wegnehme, habe ich nichts, womit ich ihn füttern kann.“

Ihr Mann verzog angewidert das Gesicht.

„Schon der Geruch von diesem Zucchini-Zeug macht mich krank. Hier riecht es wie in einer Armenkantine! Bis sechs Uhr soll die Wohnung glänzen und nach richtigem Essen riechen. Fleisch aus dem Ofen, Salate, Wurst – meine Mutter kommt! Ludmila Markowna kann deine Diätgerichte nicht ausstehen.“

Natalia schluckte ihre Tränen hinunter.

„Matwej war die ganze Nacht wach. Er hat 37,8 Grad Fieber, und ich habe seit drei Uhr morgens kein Auge zugemacht. Ich kann jetzt nicht drei Stunden am Herd stehen. Ich könnte etwas im Restaurant bestellen.“

Ilja trat einen Schritt auf sie zu.

Sein Gesicht wurde rot.

Er riss ihr das Geschirrtuch aus der Hand und schleuderte es auf den Tisch. Dann packte er sie brutal am Oberarm.

Natalia erstarrte.

„Es ist mir völlig egal, was du alles nicht schaffst“, zischte er. „Ich bringe das Geld nach Hause. Ich ernähre euch. Also arbeite gefälligst!“

Seine Finger gruben sich noch stärker in ihren Arm.

„Und hör auf, so ein Gesicht zu machen. Verstanden? Meine Quadratmeter, meine Regeln. Wenn es dir nicht passt, pack deine Sachen und geh zu deinem Vater zurück.“

Er stieß sie weg.

Natalia prallte mit der Hüfte gegen die Tischkante.

Kurz darauf fiel die Wohnungstür ins Schloss.

Ihr Sohn begann zu weinen.

Natalia setzte sich langsam auf einen Stuhl und schob den Ärmel hoch. Auf ihrer Haut zeichneten sich bereits deutlich die roten Abdrücke seiner Finger ab.

Morgen würden es blaue Flecken sein.

Sie sah lange ins Leere.

Keine Tränen.

Keine Angst.

Nur eine klare Erkenntnis:

Das war das Ende.

Diese Wohnung gehörte Ilja. Er hatte sie drei Jahre zuvor von seiner Großmutter geerbt.

Doch das, was aus dieser heruntergekommenen Wohnung geworden war, hatte nicht er bezahlt. Die Küche, die Möbel, die Granitarbeitsplatte, die neuen Böden, die Türen, das Badezimmer – alles war von Natalias Vater finanziert worden.

Grigorij Iwanowitsch hatte seinem Schwiegersohn das Geld überwiesen, damit seine Tochter und sein Enkel es bequem hatten.

Nie hatte er sich eingemischt.

Nie hatte er etwas zurückgefordert.

Bis zu diesem Morgen.

Natalia nahm ihren Sohn auf den Arm und wählte die Nummer ihres Vaters.

„Papa? Ich brauche deine Leute von der Baustelle. Und Lastwagen.“

Am anderen Ende wurde es still.

„Wofür, Natascha?“

Natalia holte tief Luft.

„Wir setzen Iljas Wohnung wieder in den ursprünglichen Zustand zurück.“

Eine Pause.

„Ich nehme alles mit, was mir und meiner Familie gehört. Und ich reiche die Scheidung ein.“

Ihr Vater antwortete ruhig:

„Verstanden, meine Kleine. Wir sind in einer Stunde da.“

Eine Stunde später standen mehrere Arbeiter im Flur.

Grigorij Iwanowitsch sah zuerst seine Tochter an.

Dann bemerkte er die dunklen Abdrücke an ihrem Arm.

Er sagte nichts.

Er wandte sich nur an einen kräftigen Mann im Arbeitsanzug.

„Serjoscha, wir fangen an.“

Was danach geschah, dauerte mehrere Stunden.

Das Kinderbett, der Wickeltisch, die Kleidung und die persönlichen Sachen von Natalia und Matwej wurden zuerst herausgetragen.

Dann folgten Möbel, Haushaltsgeräte, Geschirr, Handtücher und Bettwäsche.

Die große Garderobe verschwand aus dem Flur.

Das Laminat wurde entfernt.

Darunter kam der alte, zerkratzte Parkettboden zum Vorschein.

Die Innentüren wurden ausgebaut.

Die Vorhänge verschwanden.

Im Badezimmer wurden Waschmaschine, Waschbecken und Armaturen entfernt.

In der Küche wurde die komplette Einbauküche abmontiert.

Kühlschrank und Geschirrspüler kamen ebenfalls in den Lastwagen.

Natalia nahm sogar die Glühbirnen aus den Lampen.

Nur im Flur ließ sie eine schwache Birne hängen.

„Damit Ilja nachts nicht stürzt“, sagte sie trocken.

Am späten Nachmittag war von der modernen Wohnung kaum noch etwas übrig.

Nackter Beton.

Alte Tapetenreste.

Freiliegende Rohre.

Staub.

Feuchtigkeit.

Die Wohnung sah wieder genauso aus wie an dem Tag, an dem Ilja sie von seiner Großmutter übernommen hatte.

Natalia stand mitten im leeren Wohnzimmer. Und zum ersten Mal seit Jahren fühlte sie sich leicht.

Dann klingelte ihr Telefon.

Ilja.

Sie nahm ab. „Na, ist das Abendessen fertig? Meine Mutter und ich sind in zwanzig Minuten da. Der Tisch soll gedeckt sein.“

Natalia lächelte kalt.

„Natürlich. Ich habe eine Überraschung für euch.“

Sie legte auf.

Dann gab sie ihren Sohn ihrem Vater und legte ihre Schlüssel auf die staubige Fensterbank.

„Komm, Papa.“

Sie verließen die Wohnung.

Doch sie gingen nicht weit.

Sie warteten auf dem Treppenabsatz.

Zwanzig Minuten später hörten sie Stimmen.

Ludmila Markowna kam mit Ilja die Treppe hinauf.

„Du musst endlich strenger mit ihr sein“, redete seine Mutter auf ihn ein. „Sie ist viel zu verwöhnt. Diese Tochter eines reichen Vaters denkt wohl, sie kann sich alles erlauben.“

Ilja lachte.

„Keine Sorge, Mama. Ich entschuldige mich gleich zum Schein bei ihr. Danach rennt sie sofort los und deckt den Tisch.“

Er steckte den Schlüssel ins Schloss.

„Komm, Mama.“

Die Tür ging auf.

Dunkelheit.

Ilja trat hinein – und stolperte über eine fehlende Fußleiste.

„Was zum Teufel…?“

Er schaltete die Taschenlampe seines Handys ein.

Der Lichtkegel wanderte durch den Flur.

Keine Garderobe.

Kein Spiegel.

Keine Möbel.

Dann ging er ins Wohnzimmer.

Sein Gesicht erstarrte.

Keine Couch.

Kein Fernseher.

Keine Vorhänge.

Nur nackter Beton und alte Tapetenreste.

„Was ist hier passiert?“

Er rannte in die Küche.

Auch dort: nichts.

Kein Kühlschrank.

Keine Küche.

Kein Waschbecken.

Nur Rohre und Staub.

„Wir wurden ausgeraubt!“, kreischte Ludmila Markowna. „Iljuschenka, ruf die Polizei! Sie haben alles mitgenommen! Sogar das Waschbecken!“

Ilja bemerkte die Schlüssel auf der Fensterbank.

Darunter lag ein Zettel.

Er riss ihn an sich.

„Ich habe nur das mitgenommen, was mir gehört.
Deine wertvollen Quadratmeter sind bei dir geblieben. Nutze sie.
Die Scheidung ist eingereicht.
Die Schlüssel liegen daneben.
Einen schönen Abend.“

Ilja zerknüllte den Zettel.

„Undankbare…“ Doch plötzlich erklang eine ruhige Stimme hinter ihm.

„Das würde ich nicht tun.“

Ilja fuhr herum.

Grigorij Iwanowitsch stand im Türrahmen.

Hinter ihm Natalia mit dem kleinen Matwej auf dem Arm.

„Herr Kolesnikow…“, stammelte Ilja.

„Was soll das? Das ist meine Wohnung!“

Grigorij holte eine dicke Mappe hervor.

„Deine Wohnung?“

Er warf die Mappe auf den Betonboden.

„Hier sind die Rechnungen. Für die Küche. Für den Boden. Für die Türen. Für die Armaturen. Für die Tapeten. Alles wurde von mir bezahlt.“

Ilja wurde blass.

„Ich habe dir nichts geschenkt“, fuhr Grigorij ruhig fort. „Ich habe nur meine Sachen zurückgenommen.“

Ludmila Markowna schrie:

„Aber was ist mit dem Kind? Ihr lasst euren eigenen Enkel in so einem Zustand zurück!“ Natalia sah sie ruhig an.

„Mein Sohn hat ein Zuhause. Ein warmes Kinderzimmer, ein Bett, Spielsachen und alles, was er braucht.“

Dann sah sie Ilja an.

„Du wolltest deine Quadratmeter? Jetzt hast du sie.“

Sie zeigte auf die leeren Räume.

„Genieß sie.“

Doch für Ilja war das erst der Anfang.

Sein Gehaltskonto wurde geschlossen, weil Natalia aufgrund einer früher erteilten Vollmacht dazu berechtigt war.

Das Geld wurde auf ein separates Konto übertragen.

Dann rief Ilja seinen Chef an.

Er bat um einen Vorschuss.

Doch sein Chef hatte schlechte Nachrichten.

Der wichtigste Geschäftspartner des Unternehmens war ausgerechnet Grigorij Iwanowitschs Firma.

Der Vertrag über mehrere Millionen war verloren gegangen.

„Ilja“, sagte sein Chef kühl, „du kommst morgen nicht mehr ins Büro.“

Ilja wurde gefeuert. Kurz darauf standen Mitarbeiter der Bank vor seiner Tür.

Sein Auto war finanziert.

Die Rate war seit mehr als dreißig Tagen überfällig.

Der Wagen wurde abgeholt.

Ilja stand schließlich ohne Geld, ohne Arbeit und ohne Auto in seiner leeren Wohnung.

Seine Mutter schluchzte:

„Das können wir nicht einfach hinnehmen! Wir müssen zu Natalia! Sie haben unseren Enkel!“

Doch auch dort wurden sie abgewiesen.

Grigorij Iwanowitsch stand am Tor seines Hauses.

„Natalia und das Kind bleiben hier.“

„Ich bin sein Vater!“, brüllte Ilja.

„Dann solltest du dich auch wie ein Vater benehmen.“

Grigorij überreichte ihm einen Umschlag.

„Hier ist die Vorladung zum Scheidungstermin.“

Ilja öffnete den Umschlag.

Dann sah er die nächste Zahl.

520.000 Rubel.

„Was ist das?“

„Das Geld, das ich dir für die Renovierung geliehen habe.“

Ilja starrte ihn an.

„Ich dachte, das war ein Geschenk.“

„Nein. Das hast du nur angenommen.“

Zwei Tage später standen sie vor Gericht.

Natalia erschien mit einer Anwältin.

Ilja behauptete, sie hätte ihn provoziert und alles aus seiner Wohnung gestohlen. Doch dann wurde die Tonaufnahme abgespielt.

Seine eigene Stimme erfüllte den Gerichtssaal:

„Meine Quadratmeter, meine Regeln! Wenn es dir nicht passt, geh zu deinem Vater zurück!“

Danach folgten die ärztlichen Unterlagen über Natalias Verletzung.

Die Aussagen der Nachbarn.

Die Gutachten über die unbewohnbare Wohnung.

Die Richterin hörte sich alles an.

Das Urteil fiel eindeutig aus.

Die Ehe wurde geschieden.

Matwejs Lebensmittelpunkt wurde bei seiner Mutter festgelegt.

Ilja musste Unterhalt zahlen.

Zusätzlich wurde er zur Rückzahlung von 520.000 Rubel an Grigorij Iwanowitsch verpflichtet.

Ilja saß regungslos da.

Er hatte keine Arbeit.

Kein Auto.

Kein Geld.

Nur eine leere Wohnung. Einige Wochen später verkaufte Ilja die Wohnung weit unter Marktwert.

Das Geld reichte kaum, um seine Schulden zu begleichen.

Er zog mit seiner Mutter in eine winzige Mietwohnung.

Er fand Arbeit in einem Gebrauchtwagen-Autohaus.

Jeden Monat wurde ein Teil seines Gehalts für den Unterhalt abgezogen.

Eines Abends erhielt er eine Nachricht von Natalia.

Ein Video.

Er öffnete es. Auf dem Bildschirm saß sein kleiner Sohn in einem hellen Kinderzimmer.

Matwej hielt sich am Bettchen fest.

Dann ließ er los.

Ein Schritt.

Noch einer.

Noch einer.

Dann fiel er lachend auf seinen kleinen Po.

Natalias Stimme war im Hintergrund zu hören:

„Schau, mein Schatz. Du kannst laufen.“

Ilja starrte auf den Bildschirm.

„Und dein Papa dachte, seine leeren Quadratmeter wären das Wichtigste im Leben.“

Das Video endete.

Ilja hielt den Becher in seiner Hand so fest, dass er zerbrach.

Heiße Flüssigkeit lief über den Tisch.

Er bemerkte es nicht.

Zum ersten Mal seit langer Zeit weinte er.

Er hatte den ersten Schritt seines eigenen Sohnes verpasst.

Dann klopfte es an der Tür.

Heftig.

Ilja öffnete.

Ein durchnässter Mann stand vor ihm und hielt einen nassen Kostenvoranschlag in der Hand.

„Du bist Somow? Der frühere Besitzer der Wohnung im fünften Stock?“

„Ja.“

„Dann haben wir ein Problem.“

Der Mann hielt ihm die Unterlagen hin.

„Die Decke in meinem Schlafzimmer ist eingestürzt. Wegen eines Wasserschadens aus deiner alten Wohnung.“

Ilja erstarrte.

„Was?“

„Ein alter Wasserhahn hat wochenlang getropft. Der Schaden beträgt 380.000 Rubel.“

Ilja dachte sofort an Natalias letzte Worte:

„Ich habe die alte Armatur wieder eingebaut. Sie tropft stark. Leg einen Lappen darunter, damit du die Nachbarn nicht überschwemmst.“

Er hatte es vergessen.

Oder besser gesagt: Es war ihm egal gewesen.

Der Mann ging.

Ilja blieb regungslos in der Tür stehen.

Eine einzelne Wasserperle löste sich vom nassen Papier und fiel auf den Boden.

Tropf.

Genau wie damals.

Und plötzlich verstand Ilja:

Er hatte seine Frau verloren.

Seinen Sohn. Seinen Beruf.

Sein Auto.

Sein Geld.

Sein Zuhause.

Und nun musste er auch noch für die Schäden bezahlen, die von genau den Quadratmetern ausgegangen waren, auf die er einst so stolz gewesen war.

„Meine Quadratmeter, meine Regeln.“

Dieser Satz hatte ihm einst Macht gegeben.

Jetzt war er alles, was von seinem alten Leben übrig geblieben war.

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