Mein Verlobter wollte meine Mutter in unsere Wohnung in Guadalajara holen. Erst später entdeckte ich, dass er etwas ganz anderes plante: Er wollte sich das Haus meiner Mutter sichern und gleichzeitig unsere Wohnung auf seinen Namen überschreiben lassen.

by zuzustory1303
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Als er mir seinen Plan zum ersten Mal erzählte, klang alles noch harmlos.

— Deine Mutter sollte nicht mehr allein wohnen. Sie könnte zu uns ziehen.

Ich sah meinen Verlobten Daniel überrascht an.

— Sie hat doch ihr eigenes Haus. Warum sollte sie es verlassen?

Daniel zuckte mit den Schultern.

— Weil wir bald heiraten. Wir werden eine Familie sein. Es wäre doch besser, wenn sie bei uns wäre.

Meine Mutter war damals noch völlig selbstständig. Sie liebte ihr Haus und hatte nie davon gesprochen, es zu verkaufen oder auszuziehen.

Deshalb kam mir Daniels Vorschlag seltsam vor.

— Ich werde mit ihr darüber sprechen, sagte ich.

— Mach das. Und noch etwas…

Er hielt kurz inne.

— Wir sollten die Eigentumsverhältnisse unserer Wohnung endlich regeln.

Ich runzelte die Stirn.

— Was meinst du?

— Die Wohnung in Guadalajara. Es wäre einfacher, wenn sie auf meinen Namen eingetragen wäre.

Ich starrte ihn an.

— Warum?

— Weil ich die meisten Kosten übernommen habe.

Das stimmte nicht.

Die Wohnung hatte ich bereits vor unserer Verlobung gekauft. Ich hatte die Anzahlung geleistet und war allein als Eigentümerin eingetragen.

Daniel wusste das.

— Wir sind doch noch nicht einmal verheiratet, sagte ich.

Er lächelte.

— Genau deshalb sollten wir es jetzt ordentlich regeln.

Ich antwortete nicht.

Etwas an seiner Art machte mich misstrauisch.

In den nächsten Tagen beobachtete ich ihn genauer.

Er sprach immer häufiger über das Haus meiner Mutter.

Wie groß es sei.

Wie viel es wert sein könnte.

In welcher guten Gegend es liege.

Eines Abends sagte er sogar:

— Wenn deine Mutter erst einmal bei uns lebt, könnten wir ihr Haus vermieten. Das wäre ein zusätzliches Einkommen.

Ich sah ihn überrascht an.

— Warum sollten wir über ihr Haus entscheiden?

— Ich versuche doch nur, unsere Zukunft zu planen.

Unsere Zukunft.

Immer wieder benutzte er diese Worte.

Doch irgendwie fühlte es sich nicht mehr nach unserer Zukunft an.

Es fühlte sich an, als würde er etwas planen, ohne mich wirklich einzubeziehen.

Ein paar Tage später kam meine Mutter zum Abendessen.

Daniel begann sofort mit seinem Thema.

— Wir machen uns Sorgen um dich. Du solltest wirklich darüber nachdenken, zu uns zu ziehen.

Meine Mutter lächelte höflich.

— Ich komme gut allein zurecht.

— Aber was passiert, wenn du irgendwann Hilfe brauchst?

— Dann werde ich meine Tochter fragen.

Daniel sah mich kurz an.

Dann sagte er:

— Genau. Und deshalb wäre es doch sinnvoll, wenn du uns dein Haus überschreibst. Dann könnten wir alles für dich regeln.

Ich ließ beinahe mein Glas fallen.

— Was hast du gerade gesagt?

Daniel wurde nervös.

— Das war nur ein Vorschlag.

Meine Mutter sah ihn fassungslos an.

— Warum sollte ich mein Haus überschreiben?

— Damit später alles einfacher ist.

Ich stand auf.

— Nein. Das wird nicht passieren.

Daniel schwieg.

Meine Mutter verabschiedete sich wenig später.

Als sie gegangen war, stellte ich mich vor Daniel.

— Was genau hast du vor?

— Gar nichts.

— Dann erklär mir, warum du plötzlich das Haus meiner Mutter haben willst.

— Ich will es nicht haben.

— Und warum soll sie es dir überschreiben?

Er wurde laut.

— Weil ich versuche, Verantwortung zu übernehmen!

Ich blieb ruhig.

— Und warum soll meine Wohnung auf deinen Namen?

Er antwortete nicht.

In dieser Nacht schlief ich kaum.

Am nächsten Morgen begann ich, Unterlagen zu überprüfen.

Ich fand schließlich eine E-Mail, die Daniel an einen Notar geschickt hatte.

Darin fragte er nach den Möglichkeiten, sowohl meine Wohnung als auch das Haus meiner Mutter auf seinen Namen übertragen zu lassen.

Mir wurde eiskalt.

Aber das war noch nicht alles.

Ich fand einen Entwurf für einen Vertrag.

Darin war vorgesehen, dass meine Mutter ihr Haus an Daniel übertragen sollte.

Und gleichzeitig sollte meine Wohnung nach der Hochzeit ebenfalls auf seinen Namen überschrieben werden.

Ich konnte es nicht glauben.

Als Daniel am Abend nach Hause kam, lag der Vertrag auf dem Tisch.

— Was ist das?

Er blieb stehen.

— Woher hast du das?

— Das spielt keine Rolle.

Ich zeigte auf die Dokumente.

— Du wolltest das Haus meiner Mutter bekommen.

Er schwieg.

— Und meine Wohnung wolltest du ebenfalls auf deinen Namen schreiben lassen.

— Ich wollte nur unsere Zukunft absichern.

Ich schüttelte den Kopf.

— Nein. Du wolltest dich absichern.

Er trat näher.

— Wir heiraten doch!

— Genau. Und deshalb wollte ich dir vertrauen können.

Er versuchte, mich zu überzeugen.

Er sprach von Familie, Liebe und gemeinsamer Zukunft.

Doch inzwischen hörte ich nur noch seine Lügen.

— Die Hochzeit ist abgesagt, sagte ich.

Er wurde blass.

— Was?

— Du hast mich nicht um meine Hand gebeten, um mit mir eine Zukunft aufzubauen. Du hast versucht, dir meine Wohnung und das Haus meiner Mutter zu sichern.

— Das ist nicht fair!

— Doch. Sehr sogar.

Am nächsten Tag erzählte ich meiner Mutter alles.

Sie war lange still.

Dann nahm sie meine Hand.

— Gut, dass du es herausgefunden hast, bevor du ihn geheiratet hast.

Ich nickte.

In den folgenden Wochen kümmerte ich mich darum, alle Eigentumsunterlagen zu sichern und rechtlichen Rat einzuholen.

Daniel versuchte noch mehrfach, mich umzustimmen.

Aber ich blieb bei meiner Entscheidung.

Einige Monate später sah ich ihn zufällig in einem Café.

Er kam zu mir.

— Du hast wirklich alles wegen eines Missverständnisses beendet?

Ich sah ihn ruhig an.

— Nein.

— Was dann?

— Wegen deiner Absichten.

Er schwieg.

Ich stand auf und ging.

An diesem Tag wurde mir etwas klar:

Manchmal erkennt man den wahren Charakter eines Menschen nicht daran, was er verspricht, wenn alles gut läuft.

Man erkennt ihn daran, was er versucht, sich zu nehmen, sobald er glaubt, dass man ihm vertraut.

Und ich war froh, dass ich es herausgefunden hatte, bevor ich ihm nicht nur mein Herz, sondern auch mein Leben überlassen hätte.

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