Marina hörte das aufdringliche Klingeln an der Haustür und wusste sofort, wer da war. Ihr Herz zog sich unangenhm zusammen – Valentina Petrowna war wie immer ohne Vorwarnung gekommen.
Als sie die Tür öffnete, sah sie ihre Schwiegermutter mit einer großen Umhängetasche und einem zufriedenen Lächeln im Gesicht.
— Hallo, meine Kleine! — trällerte Valentina Petrowna und betrat die Wohnung ohne Einladung.
— Ich habe beschlossen, dich und Oleg zu besuchen.
— Ich hoffe, du hast nichts dagegen?
Marina schluckte.
Natürlich hatte sie etwas dagegen, aber sie konnte es nicht laut sagen.
— Kommen Sie rein, — brachte sie mühsam hervor.
— Oleg ist bei der Arbeit, aber er wird bald da sein.
— Wunderbar! — Valentina Petrowna sah sich um, als würde sie die Sauberkeit überprüfen.
— Bis dahin werde ich das Abendessen zubereiten.
— Ich möchte meinem Sohn echtes, hausgemachtes Essen servieren und nicht diesen… — sie warf Marina einen vielsagenden Blick zu, — Fertigfraß.
Marina biss die Zähne zusammen. Sie konnte hervorragend kochen, und Oleg wusste das.
Aber die Schwiegermutter schien fest entschlossen zu sein, ihr schon an der Tür die Laune zu verderben.
Während Valentina Petrowna in der Küche herumwuselte, versuchte Marina, sich mit ihren eigenen Aufgaben zu beschäftigen, aber die Anspannung wuchs.
Nach einer halben Stunde drang die empörende Stimme der Schwiegermutter zu ihr herüber:
— Marina!
— Komm sofort hierher!
Marina beeilte sich in die Küche und erstarrte an der Türschwelle. Valentina Petrowna stand mit einem Löffel in der Hand am Herd, und ihr Gesicht drückte tiefste Entrüstung aus.
— Probier das mal! — sagte sie und hielt ihr einen Löffel Suppe hin.
Marina probierte vorsichtig und rümpfte die Nase – die Suppe, die sie am Vortag gekocht hatte, war völlig versalzen.
— Wie konntest du das zulassen? — rief Valentina Petrowna aus und warf die Hände in die Höhe.
— Das ist doch völlig ungenießbar!
— Der arme Oleg, wie hält er das nur aus…
— Aber ich habe nur ganz wenig Salz hineingetan, — sagte Marina verwirrt.
— Ich habe die Suppe doch probiert, sie war nicht versalzen…
— Ich weiß nicht, wie du probiert hast, aber die Suppe ist versalzen.
— Du hast dich doch gerade selbst davon überzeugt!
Marina beobachtete schweigend, wie die Schwiegermutter die Suppe demonstrativ in die Spüle goss und etwas über die Unzuverlässigkeit junger Ehefrauen murmelte.
In ihr kochte alles, aber sie beherrschte sich.
Am nächsten Morgen erwartete sie im Badezimmer eine neue Überraschung.
Marina schäumte ihre Haare ein und griff nach dem Shampoo, doch statt der gewohnten dicken Konsistenz ergoss sich eine wässrige Flüssigkeit in ihre Handfläche. Sie öffnete die Augen – in der Shampooflasche war Spülung, und in der Spülungsflasche war Shampoo.
— Valentina Petrowna, — rief sie und kam mit nassen Haaren aus der Dusche, — haben Sie zufällig den Inhalt der Flaschen im Badezimmer vertauscht?
— Welche Flaschen? — fragte die Schwiegermutter unschuldig und tauchte im Flur auf.
— Ach, die da…
— Ich habe überhaupt nichts angefasst!
— Du hast sie gestern in der Eile bestimmt selbst durcheinandergebracht.
— Du musst bei solchen Kleinigkeiten eben aufmerksamer sein.
— Eine gute Hausfrau weiß immer, wo was steht.
Marina spürte, wie ihre Geduld Tropfen für Tropfen schwand.
Valentina Petrowna amüsierte sich offensichtlich daran, ihre Reaktion zu beobachten.
In ihren Augenblitzte eine kaum verhüllte Häme.
Der dritte Tag des Aufenthalts der Schwiegermutter begann mit dem Verschwinden von Marinas Schuhen. Sie kam zu spät zur Arbeit und suchte hektisch in der ganzen Wohnung danach.
— Haben Sie meine schwarzen Schuhe gesehen? — fragte sie Valentina Petrowna.
— Du hast sie doch in den Schrank gestellt? — wunderte sie sich.
— Komisch…
— Vielleicht hast du einfach nicht richtig gesucht?
Die Schuhe wurden schließlich im Abstellraum gefunden, säuberlich hinter dem Mülleimer versteckt.
Als Marina fragte, wie sie dorthin geraten seien, zuckte die Schwiegermutter nur mit den Schultern:
— Keine Ahnung.
— Wahrscheinlich hat die Katze sie hingeschleppt.
Sie hatten keine Katze.
Wenn Oleg von der Arbeit nach Hause kam, sah er das angespannte Gesicht seiner Frau, schob das jedoch auf die Erschöpfung und den Stress durch die Anwesenheit seiner Mutter.
Vor ihrem Sohn verwandelte sich Valentina Petrowna in den Inbegriff von Fürsorge und Taktgefühl.
— Oleg, mein Schatz, — schwärmte sie, während sie ihm das Abendessen servierte, — ich freue mich so, dich zu sehen!
— Und deine Marina ist so ein liebes Mädchen.
— Wir verstehen uns prächtig, nicht wahr, Liebling?
Marina nickte schweigend und versuchte, ihren Ärger zu verbergen. Oleg lächelte glücklich, froh darüber, dass „seine Frauen“ eine gemeinsame Basis gefunden hatten.
Gegen Ende der Woche waren Marinas Nerven zum Zerreißen gespannt.
Jeden Morgen gab es einen neuen Streich.

Mal verschwand die Gesichtscreme und tauchte im Kühlschrank wieder auf.
Mal war die Zahnpasta plötzlich leer, weil sie im Waschbecken ausgedrückt worden war.
Mal waren die Autoschlüssel weg und wurden im Eisschrank gefunden.
Jedes Mal tat Valentina Petrowna so, als wäre sie völlig verwirrt, und fand stets eine Erklärung, die Marina die Schuld gab.
Entweder war sie unaufmerksam, zerstreut oder schlicht eine schlechte Hausfrau.
— Ich verstehe nicht, wie Oleg mit dir lebt, — seufzte die Schwiegermutter und schüttelte den Kopf.
— In meinem Haus herrscht immer perfekte Ordnung und jedes Ding hat seinen Platz.
Oleg, müde von der Arbeit, ging nicht weiter auf die Details ein und bat seine Frau einfach um mehr Geduld.
— Mama ist eben nicht mehr die Jüngste, — sagte er.
— Vielleicht verwechselt sie manches.
— Nimm dir das nicht so zu Herzen.
Aber Marina sah ganz genau, dass die Schwiegermutter überhaupt nichts verwechselte.
Jeder ihrer Streiche war sorgfältig geplant und mit chirurgischer Präzision ausgeführt worden.
Der Höhepunkt folgte am Samstagmorgen.
Marina beschloss, die Bettwäsche zu waschen – ein wunderschönes, cremefarbenes Seidenset, ein Hochzeitsgeschenk ihrer Mutter.
Diese Wäsche war etwas ganz Besonderes für sie, fast schon heilig – ein Symbol für das neue Leben, mütterliche Liebe und Segen.
Vorsichtig legte sie die Wäsche in die Waschmaschine, gab Spezialwaschmittel für Feinwäsche hinzu und startete das Programm.
In dieser Zeit wuselte Valentina Petrowna in der Küche herum und gab die fürsorgliche Hausfrau. Nach einer Stunde kam Marina zurück zur Waschmaschine, um die Wäsche aufzuhängen.
Als sie die Tür öffnete, stieß sie einen Schrei aus und fühlte, wie ihr der Boden unter den Füßen weggezogen wurde.
Die gesamte Bettwäsche war unwiederbringlich ruiniert.
Die cremefarbene Seide hatte sich zartrosa verfärbt, und mitten darin stach eine hellrote Damensocke hervor.
Marina hatte solche Socken nicht.
— Was ist das?! — schrie Marina und zog die Socke aus der Trommel.
Bei diesem Schrei eilte Valentina Petrowna herbei, mit einem absolut unschuldigen Gesichtsausdruck.
— Oh, was ist denn passiert? — fragte sie, musterte die ruinte Wäsche und breitete die Arme aus.
— Mein Gott!
— Wie konnte das nur passieren?
— Woher kommt diese Socke? — Marina schwenkte die rote Socke vor dem Gesicht der Schwiegermutter.
— Keine Ahnung! — Valentina Petrowna stellte sich extrem erstaunt.
— Vielleicht hast du sie selbst in der Waschmaschine vergessen?
— Oder hat Oleg gestern etwas gewaschen?
— Das ist ihre Socke! — Marina spürte, wie die Wut in ihr kochte.
— Sie haben sie absichtlich hineingeworfen!
— Bist du verrückt geworden? — empörte sich die Schwiegermutter.
— Warum sollte ich fremde Sachen ruinieren?
— Das ist doch lächerlich!
Aber in ihren Augen tanzten zufriedene Funken.
Sie genoss Marinas Verzweiflung.
— Meine Mutter hat mir diese Wäsche zur Hochzeit geschenkt, — Marinas Stimme zitterte vor Tränen und Wut.
— Sie hat ein Vermögen gekostet!
— Na und? — zuckte Valentina Petrowna mit den Schultern.
— Es ist nur Bettwäsche!
— Du wirst dir eben neue kaufen.
— Und wenn du eine aufmerksamere Hausfrau wärst, wären solche Vorfälle gar nicht erst passiert.
Das war definitiv zu viel.
Marina spürte, wie in ihr etwas riss.
Die ganze angestaute Wut der letzten Woche, all die Demütigungen und Sticheleien brachen aus ihr heraus.
— Genug! — schrie sie so laut, dass Valentina Petrowna erschrocken einen Schritt zurückwich.
— Ich ertrage das nicht länger!
— Packen Sie Ihre Koffer und verschwinden Sie aus meiner Wohnung!
Valentina Petrowna tat, als verstehe sie die Welt nicht mehr:
— Marina, bist du etwa krank?
— Wovon redest du da?
— Ich habe absolut nichts getan!
— Sie haben nichts getan?! — Marina war außer sich vor Zorn.
— Sie quälen mich nun schon seit einer ganzen Woche!
— Sie salzen meine Suppe, vertauschen meine Sachen, schütten Shampoo und Spülung ineinander und ruinieren jetzt auch noch meine Wäsche!
— Glauben Sie etwa, ich bin dumm und merke gar nichts?
— Was für ein Unsinn! — die Schwiegermutter versuchte in die Offensive zu gehen.
— Deine Nerven liegen völlig blank.
— Du solltest dringend zum Arzt gehen!
— Raus! — Marina zeigte auf die Tür.
— Verschwinden Sie sofort aus meinem Haus!
— Und wagen Sie es ja nicht mehr, hier ohne Vorwarnung aufzukreuzen!
Oleg, durch den Lärm geweckt, rannte herbei.
Als er seine wütende Frau und die konsternierte Mutter sah, versuchte er herauszufinden, was los war.
— Was geht hier vor? — fragte er und blickte von einer Frau zur anderen.
— Deine Mutter quält mich! — platzte es aus Marina heraus, während sie die ruinierte Wäsche hochhielt.
— Sieh dir an, was sie mit dem Geschenk meiner Mutter gemacht hat!
Oleg nahm die rosa Bettwäsche in die Hände und rümpfte die Stirn.
— Mama, woher kommt deine Socke in der Waschmaschine?
— Ich weiß es nicht, mein Sohn, — versuchte Valentina Petrowna unschuldig zu klingen.
— Sie ist bestimmt aus Versehen hineingefallen.
— Marina schreit mich an, als hätte ich das mit Absicht getan…
— Mit Absicht! — gab Marina nicht nach.
— Sie treibt hier seit einer Woche nur fiese Spielchen!
— Mal salzt sie die Suppe, mal vertauscht sie das Shampoo, mal versteckt sie meine Sachen!
— Und jetzt das!
Oleg sah seine Mutter genauer an.
In ihren Augen sah er etwas, das ihm bisher entgangen war – kaum verhehlte Schadenfreude.
— Mama, — fragte er vorsichtig, — hast du wirklich absolut nichts damit zu tun?
Valentina Petrowna begriff, dass ihr Spiel aufgeflogen war.
Ihr Gesicht veränderte sich.
Die gespielt wirkende Unschuld verschwand, und pure Verärgerung trat an ihre Stelle.
— Na und, wenn ich es getan habe? — schnauzte sie.
— Ich wollte doch nur sehen, was für eine Ehefrau du dir geangelt hast!
— Und sie fängt sofort an zu kreischen!
— Was für ein schrecklicher Charakter!
— Wie konntest du nur? — Oleg war schockiert.
— Warum hast du das gemacht?
— Weil ich eine normale Frau für meinen Sohn will und keine hysterische Person! — Valentina Petrowna ließ endgültig die Maske fallen.
— Sieh dir an, wie sie einen Menschen anschreit, der doppelt so alt ist wie sie!
— Wo bleibt da der Respekt?
— Wo ist die Erziehung?
— Respekt muss man sich verdienen! — hielt Marina dagegen.
— Und Sie benehmen sich wie eine boshafte Alte!
— Genug jetzt! — Oleg hob die Hand.
— Mama, pack deine Sachen.
— Ich rufe dir ein Taxi.
— Was?! — Valentina Petrowna traute ihren Ohren nicht.
— Du wirfst deine eigene Mutter raus wegen dieser… dieser…
— Wegen meiner Frau, — sagte Oleg mit fester Stimme.
— Der Frau, die du mit deinen Spielchen in die Hysterie getrieben hast.
Während Valentina Petrowna empört ihre Sachen zusammenpackte, bestellte Oleg ein Taxi.
Marina stand in der Küche, hielt immer noch die zerstörte Wäsche in den Händen und weinte leise.
— Es tut mir leid, — sagte Oleg und trat an sie heran.
— Ich wusste nicht, dass sie so drauf ist.
— Deine Mutter hasst mich, — schluchzte Marina.
— Und sie wird alles tun, um unsere Ehe zu zerstören.
— Das wird sie nicht, — sagte Oleg und nahm sie in die Arme.
— Sie wird nie wieder ohne Vorwarnung hierherkommen.
— Und wenn sie noch einmal versucht, dir wehzutun, kann sie den Weg zu unserem Haus vergessen.
Als das Taxi vorfuhr, versuchte Valentina Petrowna immer noch, sich als unschuldiges Opfer darzustellen:
— Oleg, besinn dich!
— Diese Frau hetzt dich gegen deine eigene Mutter auf!
— Mama, du bist an allem selbst schuld, — sagte Oleg müde und half ihr, die Tasche zu tragen.
— Warum musstest du Marina überhaupt quälen?
— Ich wollte ihren Charakter testen!
— Den hast du getestet.
— Jetzt weißt du, dass sie Charakter hat und sich nicht alles gefallen lässt.
Nachdem er seine Mutter ins Taxi gesetzt hatte, beugte sich Oleg zum Fenster herunter.
— Sag das nächste Mal vorher Bescheid, wenn du kommst.
— Und hör auf mit diesen… Spielchen.
— Wenn du Marina noch einmal beleidigst, brauchst du hier nicht mehr aufzutauchen.
Valentina Petrowna murmelte etwas Unverständliches zur Antwort, aber Oleg ging bereits von dem Wagen weg.
Als er nach Hause zurückkehrte, fand er seine Frau in der Küche.
Sie hielt noch immer die ruinierten Bettlaken in den Händen.
Die teure Seide hatte ihre Farbe für immer verloren.
— Es tut mir wirklich leid, — sagte Oleg.
— Ich kaufe dir neue.
— Es geht nicht ums Geld, — antwortete Marina leise.
— Mama hat sie mir geschenkt.
— Sie hat gesagt, sie sollen uns Glück bringen…
— Glück liegt nicht in der Bettwäsche, — sagte Oleg und drückte sie an sich.
— Es liegt daran, dass wir zusammen sind.
— Und niemand wird uns trennen.
— Nicht einmal meine Mutter.
Marina schmiegte sich an ihren Mann und spürte, wie die Anspannung der letzten Tage endlich von ihr abfiel.
Sie wusste, dass dies erst der Anfang eines langen Krieges mit der Schwiegermutter war.
Aber jetzt war sie sich sicher, dass Oleg auf ihrer Seite stand.
Und Valentina Petrowna schmiedete auf der Rumpelfahrt mit dem Taxi zu ihrer Datscha bereits Rachepläne.
Sie hatte keineswegs vor, sich so leicht geschlagen zu geben.
Dieses freche Mädchen würde es noch bereuen, sich mit ihr angelegt zu haben.
Aber das ist bereits eine andere Geschichte.