Katja wusste im ersten Moment gar nicht, was sie antworten sollte. Sie blickte von ihrem Schwager zu ihrem Ehemann Maxim.
Dieser saß auf dem Sofa und ging eigentlich Arbeitsdokumente auf seinem Tablet durch, doch bei den Worten seines Bruders sah er sofort auf. Seine Augenbrauen schossen nach oben, und in seinem Blick erschien genau der Ausdruck, der sonst nur ernsten Produktionsanalysen in seinem Betrieb vorbehalten war.
— Wiederhol das noch einmal: Was genau habt ihr beschlossen und auf wessen Kosten? — sagte Maxim mit völlig ruhiger Stimme, während er das Tablet beiseitelegte.
— Na, warum fährst du denn gleich so aus der Haut, Max? — Dima hob beschwichtigend die Hände, um maximale Freundlichkeit zu demonstrieren, hinter der sich jedoch ein glasklares Kalkül verbarg.
— Wir denken doch nur an Mama. Sie wird sechzig. Das ist ein wichtiger Meilenstein. Für Mama wird es schön sein, wenn alle Verwandten zusammenkommen und sie sieht, dass ihre Söhne harmonisch zusammenleben. Und du und Katja, ihr habt eine wunderbare, geräumige Dreizimmerwohnung.
Nicht so wie unsere Zweizimmerwohnung, wo ich, Alina und die beiden Kinder uns buchstäblich auf dem Kopf herumtanzen. Bei euch ist das Wohnzimmer groß, und Katja kocht so, dass jedes Restaurant sie beneiden würde. Das ist Familienschuld – ist es euch etwa zu viel, Mama eine Freude zu machen?
Katja atmete im Stillen tief durch. Die Logik ihres Schwagers war wie gewohnt makellos in ihrem Egoismus. Dima bewohnte mit seiner Familie seit rund zehn Jahren die Wohnung seiner Mutter, ohne auch nur einen Cent außer einem Teil der Nebenkosten zu zahlen.
Gleichzeitig schaffte er es, die kleine Einzimmerwohnung, die er vom Großvater geerbt hatte, gewinnbringend zu vermieten und die Einnahmen fleißig in die eigene Tasche zu stecken.
Maxim hingegen war direkt nach der Hochzeit mit Katja in eine Mietwohnung gezogen. Sie hatten sich jahrelang alles vom Mund abgespart, um erst die Anzahlung zu leisten und später die Hypothek für genau diese Dreizimmerwohnung vorzeitig abzubezahlen. Und jetzt wurden ihr Wohnraum und Katjas harte Arbeit einfach als kostenloser All-inclusive-Service für ein fremdes Fest eingeplant.
— Dima, dreißig Leute sind nicht einfach nur ein gemütliches Abendessen, — sagte Katja ruhig, bemüht, sich ihre Reizung nicht anmerken zu lassen. — Das ist eine enorme Belastung. Lebensmittel einkaufen, das Menü planen, tagelanges Kochen, der Service vor Ort. Warum überlegen wir nicht eine Variante mit einem kleinen, gemütlichen Café? Wir wären absolut bereit, uns an den Kosten zu beteiligen.
In diesem Moment mischte sich Alina, Dimas Frau, in das Gespräch ein, die bis dahin schweigend ihre Maniküre betrachtet hatte. Sie sah Katja mit einem leicht mitleidigen Blick an, in dem tief sitzende, gut getarnte passive Aggression durchschimmerte.
— Katjaschka, was für ein Café? — seufzte Alina und strich sich eine Ha some Strähne aus dem Gesicht. — In diesen Lokalen ist doch alles so fremd, so kalt. Mama wird sich dort völlig fehl am Platz fühlen. Sie braucht häusliche Gemütlichkeit, die Wärme des familiären Herdes. Außerdem kennst du doch unsere finanzielle Lage.
Dima wechselt gerade die Branche, die Einkünfte sind unbeständig, und die Kinder brauchen Nachhilfe. Uns tun alle zehntausend Rubel weh. Wir dachten, dass ihr als erfolgreichere und finanziell abgesicherte Familie mehr Verständnis zeigen würdet.

Für dich ist es doch sicher kein Problem, ein bisschen Fleisch zu braten und ein paar Salate zu machen? Du bist doch so eine tüchtige, starke Hausfrau. Und wir helfen natürlich auch! Na ja, wir unterstützen euch moralisch und begrüßen die Gäste.
Maxim stand vom Sofa auf und stellte sich schützend neben Katja. Sein Bruder zog instinktiv den Kopf ein.
— Also gut, ihr Aktivisten der universellen Nächstenliebe, — unterbrach Maxim sie scharf. — Die moralische Unterstützung könnt ihr euch schenken.
Meine Frau hat sich nicht dafür hergegeben, ein Bankett für dreißig Personen zu schmeißen, nur damit Dima wieder einmal sein Budget schont und vor der Verwandtschaft als fürsorglicher Sohn dasteht. Wenn ihr das Fest bei uns feiern wollt, ändert sich das Format: Wir bestellen fertiges Essen aus dem Restaurant, und die Rechnung wird strikt halbiert. Eine Küchen-Zwangsarbeit für Katja lasse ich nicht zu.
Dima verzog beleidigt die Lippen und warf seinem Bruder einen Blick voller tiefer Enttäuschung zu.
— Alles klar, — zog der Schwager das Wort in die Länge. — Der eigene Komfort ist euch also wichtiger als Mamas Freude. Gut, wir haben verstanden, Bruderherz. Ich hätte natürlich nicht gedacht, dass man in unserer Familie anfängt, Rechnungen für die Aufmerksamkeit gegenüber den eigenen Eltern auszustellen. Lass uns gehen, Alina. Hier sind wir offensichtlich nicht willkommen.
Als sich die Tür hinter den Gästen schloss, herrschte im Flur eine lange Pause. Katja sah ihren Mann an und spürte, wie sich die aufgestaute Wut in ihr langsam legte.
— Danke, Max, — sagte sie leise. — Ich hatte schon Befürchtungen, dass jetzt wieder das alte Lied davon anfängt, dass man den Jüngeren doch helfen muss.
— Das „jüngere Kind“ ist gerade einundvierzig geworden, — lächelte Maxim grimmig und legte den Arm um die Schulter seiner Frau. — Und dieses Kind hat sich viel zu sehr daran gewöhnt, auf Kosten anderer zu leben. Mach dir keine Sorgen, Katja. Ich lasse das nicht so im Raum stehen. Die führen definitiv etwas im Schilde. Dima gibt niemals so leicht auf, wenn er irgendwo einen Profit riecht.
Teil 2
Maxims Vorahnung sollte sich bewahrheiten. Zwei Tage später erhielt Katja eine Nachricht auf ihrem Smartphone von Maxims Cousine Julia. Der Text war so unglaublich, dass Katja ihn mehrmals lesen musste, um sicherzugehen, dass sie sich nicht verlesen hatte:
„Katjuscha, hi! Dima hat in den großen Familien-Chat seine Kontonummer gestellt und geschrieben, dass wir für Mamas sechzigsten Geburtstag alle jeweils siebentausend Rubel pro Person einsammeln. Er schreibt, dass du und Maxim das Premium-Bankett bei euch zu Hause organisiert und das Geld komplett für Delikatessen und ein großes Gemeinschaftsgeschenk draufgeht. Sag mal, steht das Menü schon? Soll ich ein schulterfreies Abendkleid anziehen oder wird das bei euch eher im lockeren Rahmen gefeiert?“
Katja spürte, wie in ihrem Inneren eine purer, eiskalter Zorn aufstieg. Sie wählte sofort Julias Nummer.
— Julia, guten Tag, — Katja bemühte sich, vollkommen gefasst zu klingen. — Kannst du mir bitte kurz sagen, wann genau Dima diesen Chat erstellt hat und was genau dort drinsteht?
— Gestern Abend, — antwortete Julia überrascht. — Er schrieb, dass Larissa Petrowna sich sehnlichst ein Fest im Kreis der Familie wünscht und dass ihr euch großzügigerweise bereit erklärt habt, eure Dreizimmerwohnung zur Verfügung zu stellen und die gesamte Küchenarbeit zu übernehmen. Und weil etwa dreißig Gäste kommen, inklusive der entfernten Verwandtschaft vom Land, müsste eine ordentliche Summe zusammenkommen, damit sich die Tische biegen. Die Ersten haben schon Geld überwiesen. Ist irgendwas nicht in Ordnung?
— Alles bestens, Julchen, danke für die Info, — Katja atmete tief durch. — Wir stimmen nur gerade noch ein paar Details ab. Ich melde mich später bei dir.
Katja legte auf und leitete den Screenshot der Nachricht sofort an Maxim weiter. Die Antwort ihres Mannes kam keine Minute später: „Bin in einer halben Stunde zu Hause. Schreib niemandem etwas. Wir bereiten ihnen heute Abend eine unvergessliche Menüplanung.“
Katja saß am Küchentisch und analysierte die Situation. Dimas Logik offenbarte sich nun in ihrer ganzen hässlichen Pracht. Er hatte einen doppelten Betrug geplant: von dreißig Gästen jeweils siebentausend Rubel einzusammeln – was immerhin satte 210.000 Rubel machte –, sämtliche Kosten und die körperliche Arbeit komplett auf Katja und Maxim abzuwälzen (die die Lebensmittel von ihrem eigenen Geld kaufen sollten) und die eingesammelte Summe unter dem Vorwand von „Organisationsgebühren“ einfach bar in die eigene Tasche zu stecken. Gleichzeitig würde er vor der gesamten Verwandtschaft als der große Macher und liebevolle Sohn dastehen, der alle um die alternde Mutter gescharrt hat.
Punkt sieben Uhr abends klingelte es an der Wohnungstür. Auf der Schwelle standen Dima und Alina. Sie kamen uneingeladen, aber mit einer so triumphalen Miene, als hätten sie gerade im Lotto gewonnen.
— Hallo, liebe Verwandtschaft! — verkündete Dima bester Laune, während er in den Flur spazierte. — Wir dachten uns, dass alte Streitigkeiten in der Vergangenheit bleiben sollten.
Max, du hattest recht, wir müssen das alles im Detail besprechen. Schau, Alina hat sogar ein Notizbuch mitgebracht, wir schreiben jetzt deine kulinarischen Wünsche auf, Katja. Mama ist im siebten Himmel! Sie hat schon all ihren Freundinnen erzählt, was für einen erfolgreichen älteren Sohn und was für eine wundervolle Schwiegertochter sie hat.
Alina setzte sich auf die Stuhlkante, schlug das Notizbuch auf und blickte Katja mit geheuchelter Fürsorge an.
— Katschenka, wir haben das mal überschlagen, — flötete sie. — Als Hauptgang musst du unbedingt dein berühmtes Fleisch im Teigmantel machen. Unsere Männer lieben deftiges Essen.
Und reichlich Salate, so vier Sorten, damit die Tische auch richtig voll aussehen. Wir sind schließlich Familie, da müssen wir vor den entfernten Verwandten Eindruck schinden. Du schlägst uns den Wunsch doch nicht ab, oder? Wir kommen am Tag des Festes morgens auch extra vorbei und helfen dir beim Serviettenfalten.
Maxim, der mit verschränkten Armen am Fenster stand, ließ seine Frau gar nicht erst zu Wort kommen. Er machte einen großen Schritt nach vorn und schnitt Dima den Weg zur Tür ab.
— Dima, Alina, setzt euch, — Maxims Stimme war leise, aber sie klang absolut bedrohlich. — Wir reden jetzt nicht über Fleisch und auch nicht über Servietten. Wir reden jetzt über die finanzielle Seite der Angelegenheit. Dima wurde sofort sichtlich nervös, sein Blick schoss hektisch hin und her.
— Was gibt es da groß zu bereden? — murmelte der Schwager und versuchte, einen lockeren Ton zu wahren. — Die Lebensmittel kauft ihr erst mal, und danach rechnen wir das irgendwie ab. Wir sind doch eine Familie, warum diese kleinliche Erbsenzählerei?
— Kleinliche Erbsenzählerei, sagst du? — Katja holte ihr Telefon hervor und hielt Dima den Screenshot von Julias Nachricht direkt vors Gesicht.
— Dima, 210.000 Rubel, die du gerade fleißig von allen eingeladenen Verwandten einsammelst – ist das für dich auch „kleinliche Erbsenzählerei“? Du erzählst der ganzen Verwandtschaft, wir schmeißen ein Premium-Bankett bei uns zu Hause, lässt das Geld auf deine private Karte überweisen und kommst dann hierher, um mich zu bitten, vier Sorten Salat auf unsere Kosten zu machen?
Es folgte eine lange, bleierne Stille. Dima lief krebsrot an, während Alina ihr Notizbuch mit einem lauten Knall zuklappte und starr die Wand anstarrte.
— Ihr… ihr habt das völlig in den falschen Hals bekommen, — stammelte Dima und erfand hektisch eine Ausrede. — Das Geld… das ist für ein riesiges Geschenk für Mama! Wir wollten ihr eine Kur in einem exklusiven Sanatorium spendieren, für ihre Gesundheit. Und das Essen bei euch – nun ja, das sollte euer Beitrag sein! Ihr seid die Älteren, ihr verdient mehr! Warum müsst ihr immer alles auf das Geld reduzieren?
— Weil es unser Geld und unsere Arbeit ist, Dima, — sagte Maxim eisig und trat so nah an seinen Bruder heran, dass dieser zurückwich. — Du hast beschlossen, die ganze Verwandtschaft zu belügen, uns als kostenlose Bedienstete zu missbrauchen und dir ein kleines Vermögen einzustecken. Und dann wagst du es noch, von Fürsorge für unsere Mutter zu sprechen? Hast du überhaupt kein Gewissen?
— Wie könnt ihr es wagen, uns so zu beschuldigen! — kreischte Alina und sprang vom Stuhl auf. — Dima schläft nachts kaum, weil er sich den Kopf zerbricht, wie er Mama ein schönes Fest bereiten kann! Wir leben in absoluter Enge, verzichten auf alles! Und ihr hockt hier in euren drei Zimmern und geizt wegen einem Stück Brot für die eigene Mutter herum! Wenn Larissa Petrowna erfährt, wie ihr euch verhaltet, sinkt sie vor Scham in den Boden! Wir kommen mit offener Seele zu euch, und ihr…
— Alina, halt den Mund, — unterbrach Maxim sie so schneidend, dass sie augenblicklich zusammenzuckte. — Die Einzigen, die sich hier in Grund und Boden schämen sollten, seid ihr beide. Ihr benutzt den Namen meiner Mutter für eine gierige Betrugsmasche. Aber diese Nummer läuft nicht.
Dima begriff, dass weiteres Leugnen zwecklos war. Doch statt Reue blitzte in seinen Augen die trotzige, hasserfüllte Bosheit eines Menschen auf, der auf frischer Tat ertappt wurde, aber nicht im Traum daran dachte, sein Verhalten zu ändern.
— Und was wollt ihr jetzt tun? — fragte der Schwager provokant mit einem hämischen Grinsen. — Wollt ihr zu Mama rennen? Ihr das Jubiläum vermiesen? Wollt ihr euch bei Tante Luda und Onkel Wanja ausheulen? Euch glaubt doch sowieso keiner, alle wissen, wie arrogant ihr auf eure neue Wohnung seid.
— Wir werden uns bei niemandem beschweren, — antwortete Katja ruhig und blickte ihren Schwager mit tiefer Verachtung an. — Wir regeln das viel einfacher – und völlig im Rahmen des Anstands.
Maxim nahm sein Telefon, öffnete genau den Familien-Chat, in den Dima bereits die gesamte Verwandtschaft hinzugefügt hatte, und drückte auf die Sprachnachrichten-Funktion. Dima wollte nach vorn schnellen, um ihm das Handy zu entreißen, doch Maxim streckte den Arm aus und blockierte ihn mühelos.
— Guten Abend allerseits, liebe Verwandte, — sprach Maxim mit klarer, fester Stimme ins Mikrofon. — Katja und ich freuen uns sehr, dass ihr alle so zahlreich auf den Vorschlag reagiert habt, Mamas Jubiläum zu feiern. Wir möchten euch mitteilen, dass das Format der Veranstaltung nun offiziell feststeht.
Das Fest findet diesen Samstag im Bankettsaal des Restaurants „Am Herd“ statt. Dima hat die nötige Summe von allen Teilnehmern bereits eingesammelt, und dieses Geld reicht exakt aus, um ein hervorragendes Menü und die Raummiete zu bezahlen. Wir erwarten euch alle zum offiziellen Bankett. Niemand muss zu Hause am Herd stehen, sodass wir uns alle gemeinsam entspannen können. Bis bald!
Maxim drückte auf Senden. Der Bildschirm blinkte auf – die Nachricht war an alle dreißig Teilnehmer des Chats rausgegangen.
Dima sackte kraftlos auf den Stuhl zurück, sein Atem ging schwer. Alina starrte Maxim an, als hätte er ihr höchstpersönlich das Dach über dem Kopf weggenommen.
— Was… was hast du getan? — flüsterte Dima fassungslos. — Das Restaurant „Am Herd“? Die Preise dort sind astronomisch! Das gesamte Geld wird bis auf den letzten Cent für dieses Bankett draufgehen! Uns bleibt überhaupt nichts mehr übrig! Wir hatten fest eingeplant, diese Mittel für andere Zwecke zu verwenden!
— Für die Zwecke deines eigenen Geldbeutels, wir wissen Bescheid, — schoss Katja zurück. — Das Geld wurde von den Leuten für Mamas Fest gespendet. Und genau dahin fließt es auch. Bis zur letzten Kopeke. Morgen früh fährst du in dieses Restaurant, leistest die Anzahlung und buchst den Saal für dreißig Personen. Die Quittung stellst du in den Chat. Die Verwandtschaft wird sich freuen zu sehen, dass die Organisation so reibungslos läuft.
— Und wenn ich mich weigere? — Dima versuchte, einen letzten Rest seiner alten Frechheit aufzubringen.
— Wenn du dich weigerst, — Maxim fixierte seinen Bruder mit einem Blick, der nichts Gutes verhieß, — dann tippe ich noch in dieser Sekunde eine detaillierte Aufschlüsselung deiner Betrugsmasche ab und schicke sie privat an jedes einzelne Familienmitglied. Inklusive Mama.
Dann kannst du den Leuten das Geld selbst wiedergeben und ihnen erklären, warum das Fest bei uns ins Wasser fällt und wo ihre hart verdienten siebentausend Rubel abgeblieben sind. Du hast die Wahl, Dima. Entweder du bezahlst morgen Mamas Restaurant von dem Geld, oder deine Reputation in dieser Familie ist für immer erledigt.
Alina zerrte ihren Mann wütend am Jackenärmel.
— Komm, lass uns gehen, Dima, — zischte sie giftig und ging zur Tür. — Sollen sie doch an ihrem Restaurant ersticken. Tun hier auf moralisch und gütig. Überhaupt kein Mitgefühl für die eigenen Verwandten!
Dima stand wortlos auf, pfefferte das Notizbuch auf den Tisch und folgte seiner Frau. Die Tür fiel ins Schloss und ließ nichts als die bittere Gewissheit über den grenzenlosen Egoismus dieser Menschen zurück.
Bis zum Samstag ließ sich Dima nicht mehr im Chat blicken. Doch am Donnerstagabend stellte er gehorsam das Foto des Vertrags mit dem Restaurant und die Quittung über die hundertprozentige Vorauszahlung für dreißig Personen online. Im Chat überschlugen sich die Verwandten mit begeisterten Emojis und Lobeshymnen auf den „fürsorglichen Dima“, der alles so blitzschnell und großartig organisiert hatte. Katja und Maxim sahen sich nur kurz an – sie beschlossen, Larissa Petrowna diese Illusion für ihren Seelenfrieden zu lassen.
Das Jubiläum selbst war laut, ausgelassen und fröhlich. Der Bankettsaal war geräumig, das Essen exzellent und professionell zubereitet, und Larissa Petrowna strahlte vor purem Glück, während sie die Glückwünsche von Brüdern, Schwestern und Enkeln entgegennahm.
Dima und Alina saßen am äußersten Ende des Tisches und vermieden jeden Blickkontakt mit dem älteren Bruder und dessen Frau. Sie wussten, dass sie verloren hatten, und es tat ihnen in der Seele weh um das verlorene Geld, aber sie dachten nicht an Reue. Stattdessen spielten sie vor den anderen Gästen die Rolle der „leicht gekränkten“ Verwandten, die von den „zu strengen“ Gastgebern ungerecht behandelt wurden.
Gegen Ende des Abends trat Larissa Petrowna zu Maxim und Katja und schloss beide gerührt in die Arme.
— Danke euch, meine Lieben, — sagte sie leise. — Dima hat mir erzählt, dass ihr ihm die Idee mit dem Restaurant gegeben habt, damit Katja sich nicht tagelang mit dem Kochen quälen muss. Das ist so unendlich edel von euch. Ich bin so glücklich, dass meine Jungs so gut füreinander und für mich sorgen.
Maxim lächelte und drückte die Hand seiner Mutter fest.
— Das Wichtigste ist, Mama, dass dir alles gefallen hat, — antwortete er ruhig und warf einen kurzen Blick auf den stillen Dima am Ende des Saals. — Ein Fest sollte ein echtes Fest sein – und keine Last für die Familie.
Als die Feier vorbei war und die Gäste sich langsam auf den Heimweg machten, gingen Katja und Maxim Hand in Hand durch die ruhige Allee des Parks vor dem Restaurant zu ihrem Auto.
Der Abend war angenehm warm, die Luft roch nach dem beginnenden Sommer, und in ihren Herzen herrschte tiefer, absolut verdienter Frieden. Sie hatten ihre Grenzen verteidigt, ihre eigene Arbeit geschützt und gleichzeitig der Mutter ein wunderschönes Fest bewahrt, indem sie die Nutznießer der Familie gezwungen hatten, nach ehrlichen Regeln zu spielen.
Das Leben ging weiter, und vor ihnen lag ein langes, ruhiges Wochenende in ihrer geräumigen, gemütlichen Dreizimmerwohnung – in der definitiv niemand für dreißig Leute am Herd stehen würde.