Marina saß noch lange in dem kleinen Speisesaalzimmer, in das sie der ältere Wächter gebracht hatte.

by zuzustory1303
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Gerechtigkeit und Abschied: Marinas neue Freiheit

Er hörte schweigend zu, ohne sie zu unterbrechen. Er seufzte nur schwer und schüttelte hin und wieder den Kopf. Als das Mädchen seine Geschichte beendet hatte, sagte der Mann leise:

— Ach, mein Kind, geh weg von ihnen. Dort gibt es weder Wärme noch Mitgefühl, sie haben nur das Geld vor Augen. Mit solchen Menschen baut man kein Glück auf.

Kehr zurück zu deiner Mutter – sie wird dich aufnehmen und beschützen. Brot ist heilig, doch sie zittern über jedem Krümel. Für deine Tränen werden sie nichts Gutes erfahren. Gott sieht alles.

Er erlaubte ihr, eine Weile in der Wärme zu sitzen, bis sie sich besser fühlte. Dann gab er ihr ein wenig Geld, da er begriff, dass ihr absolut nichts geblieben war. Das Mädchen ging sofort zur Post und schrieb eine kurze Nachricht an ihre ältere Schwester: „Schickt dringend Geld für den Rückweg. Aber sagt Mama nichts davon.“

Der Abschied

Als Marina zum Haus ihrer Schwiegermutter zurückkehrte, um ihre Sachen zu holen, erwartete Galina Petrowna sie bereits an der Schwelle. Auf ihrem Gesicht lag ein bitteres, ironisches Lächeln.

— Was ist los, warst du wieder irgendwo unterwegs? — sagte sie laut, damit Sergej es hören konnte. — Schau mal, mein Sohn, was für eine Frau du dir ausgesucht hast. Den ganzen Tag treibt sie sich herum, wer weiß wo.

Marina sah sie nicht einmal an. Sie ging leise in das Zimmer, packte ihren Koffer, nahm die Kiste mit den Babysachen und ging in den Hof hinaus.

In der Nähe des Weinbergs arbeitete Wassili Iwanowitsch. Er schnitt die Reben, und als er seine Schwiegertochter mit den Sachen sah, erstarrte er. In seinem Blick lag so viel Müdigkeit, Trauer und Scham, dass Marina plötzlich Schmerz für diesen Mann empfand.

— Leb wohl, Vater, — sagte sie leise. Der alte Mann senkte den Kopf und antwortete fast flüsternd: — Vergib uns, meine Tochter… falls wir dich verletzt haben. Er drehte sich weg und verbarg seine Augen. In diesem Moment trat Galina Petrowna auf die Treppe. — Und warum bittest du sie um Entschuldigung? Sie soll gehen, von wo sie gekommen ist! Und nie wieder zurückkehren!

Marina hielt am Hoftor an, drehte sich langsam um und sah ihrer Schwiegermutter ruhig direkt in die Augen. — Gott schenke Ihnen Gesundheit, Mutter, — sagte sie leise und trat durch die Tür. Sergej tauchte gar nicht erst auf. Er kam nicht heraus, um sich von seiner Frau zu verabschieden; er sagte kein Wort, er hielt sie nicht auf.

Die Rückkehr und das Schicksal

Einige Wochen später war Marina bereits zu Hause – umgeben von ihren eigenen Leuten, von Fürsorge und Wärme. Ihre Mutter kümmerte sich um sie, ihre Schwestern halfen im Haushalt, und ihr Vater versuchte, sie nicht unnötig zu beunruhigen. Allmählich erholte sich das Mädchen, fand neue Kraft und begann, sich auf die Geburt ihres Sohnes vorzubereiten.

Im Haus der Schwiegermutter ging das Leben seinen gewohnten Gang. Doch Frieden gab es dort nicht mehr. Sergej wurde letztlich nicht an der Fachschule angenommen. Galina Petrowna erklärte plötzlich, dass sie nicht mehr beabsichtigte, ihren erwachsenen Sohn durchzufüttern.

— Geh arbeiten, — sagte sie ihm. — Du hast genug gefaulenzt. Wir haben ohne Abschlüsse gelebt – du wirst es auch. Hauptsache, du bringst Geld nach Hause.

Doch bald suchte ein Unglück die Familie heim. Galina Petrowna, die es gewohnt war, alles allein zu tun und niemandem den Haushalt anzuvertrauen, verletzte sich bei der Arbeit am Stall schwer. Ein unglücklicher Sturz führte zu einer schweren Verletzung. Die Behandlung erwies sich als langwierig und sehr teuer.

Alle Ersparnisse, die sie jahrelang gesammelt und vor ihrer Familie versteckt hatte, wurden für Krankenhäuser, Medikamente und Ärzte ausgegeben. Doch ihre Gesundheit kehrte nicht zurück.

Die Frau verfiel zusehends, wurde immer nervöser und härter. Selbst kurz vor dem Ende hörte sie nicht auf, Marina zu beschuldigen und zu behaupten, die Schwiegertochter habe das Unglück in ihr Haus gebracht. Sie konnte nie erkennen, dass die Quelle des Unglücks ihre eigene Grausamkeit war.

Nach ihrem Fortgang blieb Wassili Iwanowitsch allein mit seinem Sohn in einem großen, aber leeren Haus zurück.

Das Haus stand da wie zuvor, der Garten brachte Ernte, der Wein rankte sich an den Gerüsten, aber es war keine Wärme mehr darin geblieben. Und niemand backte mehr jene duftenden Fischpasteten, über die der Hausherr einst zum ersten Mal gelächelt hatte.

Die Menschen sagen nicht ohne Grund: Man soll sein eigenes Glück nicht auf den Tränen anderer aufbauen. Früher oder später kehren sie zu demjenigen zurück, der einst die Ursache dafür war.

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