— Bist du völlig verrückt geworden?! — platzte es aus Denis heraus, während er einen frisch ausgedruckten Grundbuchauszug auf die Wachstuchtischdecke knallte. Das Papier rutschte über den Tisch, stieß den Salzstreuer um und ließ ihn klirrend zur Seite rollen.
— Ich war bei der Bank und wollte einen Hypothekenkredit mit dieser Dreizimmerwohnung als Sicherheit aufnehmen – und dort steht als Eigentümer… dein Vater! Was treibst du hinter meinem Rücken? Spielst du mit fremdem Geld, ohne mich einzuweihen?!
Ich wartete, bis der Borschtsch im Topf aufgehört hatte zu kochen, stellte das Gas ab und schob den schweren Topf auf die kalte Platte. Die Küche füllte sich mit dem dichten Geruch von Knoblauch, Fleisch und gekochter Roter Bete.
— Und auf wen sollte sie sonst laufen? Mein Vater hat das Geld für die Wohnung gegeben. Also gehört die Wohnung ihm. Wo ist das Problem?
Denis begann schwer durch die Nase zu atmen, seine Nasenflügel bebten.
— Wir sind eine Familie! Ich habe für diese Renovierung gearbeitet! Ich habe Tapeten geklebt und Fußleisten montiert! Und du behandelst mich wie einen Fremden, obwohl ich dein Mann bin!
Ich trocknete mir die Hände mit dem Küchentuch ab und lehnte mich gegen die Arbeitsplatte.
— Tapeten geklebt… Vor fünf Jahren bist du mit einer einzigen Sporttasche hier aufgetaucht. Seitdem isst du für drei Personen, gibst dein Gehalt für irgendwelche
„Persönlichkeitsentwicklungskurse“ aus und liegst wie ein König auf dem Sofa. Ich bezahle die Rechnungen. Ich kaufe das Essen.
Und letztes Jahr hast du auch noch deine Schwester Snezhana hier angeschleppt. Sie kam weinend, weil ihr Geschäft „zusammenbrach“. Sie wollte ein Nagelstudio eröffnen, hatte aber kein Geld für die Miete.

Damals schlug Denis mit der Faust auf den Tisch und sagte: „Familie steht an erster Stelle, wir helfen ihr.“ Ich schwieg. Mein Vater nahm eine halbe Million aus seinen Ersparnissen. Denis nahm das Geld ohne Zögern und verschwand, um seine Schwester zu „retten“.
— Also gut — Denis verengte die Augen. — Wenn du angefangen hast, Dinge vor mir zu verheimlichen, gehe ich.
— Die Tür ist offen.
Er lachte schief und griff nach den Schlüsseln des SUVs.
— Und du glaubst, ich lasse mich ohne Auto gehen? Das Auto gehört mir – ich fahre es, ich tanke es.
Ich stellte mich vor ihn.
— Leg die Schlüssel hin.
— Und was willst du machen? — fragte er überheblich.
— Sonst landest du direkt auf der Polizeiwache und gehst zu Fuß nach Hause. Das Auto gehört meinem Vater. Heute Morgen hat er die Unterlagen aus dem Handschuhfach geholt und der Versicherung gemeldet, dass du nicht mehr eingetragen bist. Wenn du es fährst, ist das Diebstahl.
Denis erstarrte.
Seine Hand mit den Schlüsseln sank langsam herunter.
In diesem Moment verstand er, dass er das Haus mit leeren Händen verlassen würde.
— Du… du hast das alles geplant.
— Und solange du noch hier bist — ich zog mein Handy aus der Tasche meines Hausmantels — ruf Snezhana an. Die Frist für die Schulden ist gestern abgelaufen. Die halbe Million muss zurückgezahlt werden.
Denis zuckte zusammen.
— Welche Schulden? Wir sind Familie! Das war Hilfe, wir haben nichts unterschrieben! Ich lächelte ihm direkt in die Augen.
— Vielleicht habt ihr nichts unterschrieben. Aber mein Vater hat von Snezhana eine handschriftliche Quittung mit Passdaten und Rückzahlungsfrist. Wenn sie bis Freitag nicht zahlt, gehen wir vor Gericht. Das Studio wird bis auf den letzten Stuhl verkauft.
In der Küche breitete sich eine so schwere Stille aus, dass man nur noch den Straßenlärm hörte. Denis zog nervös den Reißverschluss seiner Jacke hoch.
Sein ganzes Selbstbewusstsein zerfiel.
— Nina… — seine Stimme wurde plötzlich weich und flehend. — Komm schon… warum streiten wir wegen ein paar Papieren? Es läuft doch sowieso alles auf deinen Vater…
Er machte einen Schritt auf mich zu und versuchte, mich zu umarmen.
Ich wich angeekelt zurück.
— Du hast keinerlei Würde, Denis. Du hast auf Kosten anderer gelebt und geglaubt, du könntest auch mich ausnutzen? Da hast du dich geirrt. Ich zog einen großen schwarzen Müllsack unter der Spüle hervor und warf ihn ihm vor die Füße.
— Pack deine Sachen. Alles passt in diesen Sack. Du hast zehn Minuten, dann rufe ich die Polizei.
— Nina, ich habe doch keinen Ort, an den ich gehen kann!
— Geh zu Snezhana. Du kannst auf dem Boden schlafen, bis die Gerichtsvollzieher ihre Möbel abtransportieren.
Er begann seine Sachen einzupacken.
Schnell. Nervös. Schweigend.
Ein paar Minuten später war er weg.
Die Tür fiel hinter ihm ins Schloss.
Ich schloss zweimal ab.
Stille legte sich über die Wohnung wie eine warme Decke.
Ich setzte mich, schöpfte mir Suppe auf und atmete tief durch.
Und morgen…
morgen würde alles erst richtig weitergehen.